Der heimische Mehl-Multi Leipnik-Lundenburger wird Hauptaktionär der der Hamburger VK Mühlen.
WIEN (ku). Der österreichische Mühlen-Konzern Leipnik-Lundenburger (LLI) ist ab sofort Hauptaktionär der Hamburger VK Mühlen AG und damit eigenen Angaben zufolge Nummer Eins am europäischen Mühlenmarkt. Wie LLI-Vorstand Erwin Hameseder am Mittwoch bekanntgab, wurden vorerst 24,9 Prozent gekauft, die Aufstockung des Anteils auf 29 Prozent ist bereits ausverhandelt. Man warte dafür aber noch die nötigen Kartellverfahren in Österreich und Deutschland ab.
Abgegeben wurden die Anteile von Deutscher Bank, DZ Bank und Südzucker - an der LLI knapp zwei Prozent hält. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Finanziert wird die Akquisition zu einem Drittel durch eine Kapitalerhöhung, der Rest durch Kredite. Haupteigentümer von LLI sind die Raiffeisen Holding NÖ-Wien und die RZB, weitere Anteile halten der Rübenbauernbund, Uniqa und Agrana.
VK Mühlen sei "eine gute Ergänzung sowohl von der Produkt- als auch von der marktseite", so Hameseder. Die Märkte überschneiden sich fast nicht: VK ist vor allem in Deutschland und Polen aktiv, LLI in Österreich und Ungarn.
Der Hamburger Konzern zählt mit einem Marktanteil von 30 Prozent zu den deutschen Mühlen-Riesen: An elf Standorten mahlen 950 Mitarbeiter jährlich 1,8 Mill. Tonnen Mehl, der Umsatz liegt bei 430 Mill. Euro - also fast das Zehnfache des LLI-Mehl-Umsatzes in Österreich. Zusätzlich produziert VK Verarbeitungsprodukte aus Mehl wie Brot- und Kuchenteige oder Fertigpanier.
Die Akquisition in Deutschland ist die jüngste Frucht eines aggressiven Expansionskurs, den LLI seit zehn Jahren fährt. Allein seit 1999 wurden 110 Mill. Euro investiert. Nach dem Einstieg im Osten durch den Kauf der Hungaromill stieg LLI mit der Übernahme von Pannon Gabona 2002 zum Marktführer in Ungarn auf. 45 Prozent des LLI-Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet. Weiter zukaufen will man in Tschechien.
Stagnation bei Mehlabsatz
LLI konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 (per 30. September) den Mehlabsatz im Inland ("Finis Feinstes", "Farina") gleich halten, der Marktanteil liegt bei 30 Prozent. In Österreich bestehen große Überkapazitäten, es gibt rund 200 Mühlen, großteils kleine Familienbetriebe. Als zweites Standbein hat sich LLI in den vergangenen Jahren den Betrieb von Kaffee-Automaten ("Vendare", "Delikomat") zugelegt.
Der Konzernumsatz wuchs im Vorjahr um 41,2 Prozent auf 185,3 Mill. Euro, das Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit um 27 Prozent auf 16,1 Mill. Euro. An drei Standorten in Österreich und acht in Ungarn sind 1745 Mitarbeiter beschäftigt. LLI hält zudem knapp zehnprozentige Anteile an Agrana und Casinos Austria.