Wandelanleihen haben ihre Tücken

Die Voestalpine wird zu 100 Prozent privatisiert - aber erst in ein paar Jahren.

Jetzt steht also fest: Die Voestalpine wird zu hundert Prozent privatisiert. Vorerst aber nicht ganz: Rund 25 Prozent der Voest-Anteile sollen über die Börse an Investoren gehen, knapp zehn Prozent - der Rest auf den derzeit vom Staat gehaltenen Anteil von 34,7 Prozent - werden in Form einer sogenannten Umtauschanleihe - eine spezielle Form der Wandelanleihe, bei der der Emittent seine Schulden bei den Anlegern nicht mit Aktien des eigenen, sondern mit Papieren eines anderen Unternehmens abstottert - unters Anlegervolk gebracht.

Die ÖIAG nimmt also von Anlegern ein Darlehen und verspricht, dieses nach einer vorher bestimmten Zeit mit Voestalpine-Aktien abzuschichten, sofern die Anleger das dann noch wollen. Erst nach erfolgtem Umtausch sind die Anleger tatsächlich am Unternehmen beteiligt, die Privatisierung ist dann abgeschlossen.

Für die ÖIAG hat das einige Vorteile: Sie bekommt das Geld für die Voest sofort, bleibt aber während der Laufzeit der Umtauschanleihe weiter substanziell am Stahlkonzern beteiligt - und somit "Kernaktionär". ÖIAG, Voestalpine-Mitarbeiterstiftung und die "Österreich-Fonds" des oberösterreichischen Raiffeisenbankers Scharinger halten dann eine Zeit lang zusammen weit mehr als die 25-prozentige Sperrminorität. Und man kann davon ausgehen, das sie auch ohne Syndikatsvertrag nicht daran denken, ihre Anteile ausländischen Investoren zu verkaufen. Der Kernaktionärs-Diskussion wäre also vorläufig viel an Schärfe genommen.

Auch für die Käufer der Wandelanleihe ist das Geschäft nicht so schlecht: "Convertibles" sind im Regelfall zwar niedriger verzinst als "echte" Anleihen, dafür bieten sie aber Sicherheit nach unten und Gewinnpotenzial nach oben: Man kann sich die Anleihe, wenn der Voestalpine-Kurs steigt, ja in Aktien auszahlen lassen. Man muss aber nicht.

Weniger vorteilhaft ist die Vorgangsweise für die Voestalpine selbst: Internationale Investoren wissen, dass Wandelanleihen vor allem aus zwei Gründen emittiert werden: Erstens, der Emittent hat Angst, das gesamte Aktienpaket nicht am Markt unterzubringen. Zweitens, der Emittent braucht Geld, will sich aber weiter (zumindest für eine begrenzte Zeit) Einfluss sichern. Beides drückt, wie internationale Beispiele zeigen, den Aktienkurs.

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