Analyse: AUA: Manager-Gehaltsverzicht soll "Waffenstillstand" retten

Ein paar Tage vor Auslaufen des "Waffenstillstands" zwischen AUA-Management und streikwilligen Piloten versucht der Vorstand, das Steuer per Gehaltsverzicht herumzureißen.

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ach außen macht die heimi sche Fluggesellschaft derzeit einen ruhigen Eindruck, aber hinter verschlossenen Türen absolvieren der AUA-Bordbetriebsrat und der Vorstand des Luftfahrtkonzerns - unter Mithilfe von Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, die "Vermittler" spielen - einen ausgeprägten Verhandlungsmarathon.

Aus gutem Grund: Bis kommenden Sonntag läuft ein Mitte Oktober ausgerufener "Waffenstillstand" zwischen Vorstand und Betriebsrat, bis dahin wird nicht gestreikt. Was danach passiert, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie weit die Streitparteien kommen. Aus dem Betriebsrat verlautete bereits, man wolle zumindest das Rohgerüst einer tragfähigen Vereinbarung haben, über Details könne man auch nach dem 16. November noch reden. Wenn substanziell nichts weitergehe, stehe die Streikdrohung aber wieder im Raum. Auch wenn die Gespräche nach außen als "konstruktiver als früher" bezeichnet werden, ist das Streikgespenst demnach noch nicht verscheucht: Hinter vorgehaltener Hand kann man hören, dass sich noch nicht all zu viel bewegt hat. Immerhin geht es um Einsparungen im Flugbetrieb in Höhe von 30 Mill. Euro, die der Bord-Betriebsrat bisher strikt abgelehnt hat.

Jetzt versucht das Management mit einer Goodwill-Aktion Bewegung in die starren Fronten zu bringen: Die vier Vorstandsmitglieder wollen 2004 auf zehn Prozent ihres Gesamteinkommens - Gehalt und Prämien - verzichten. Verzichtet hat das Management nicht zum ersten Mal, bisher war aber der Verzicht beim Grundgehalt durch generöse Prämiengestaltung gleich wieder ausgeglichen worden. Eine Vorgangsweise, die für viel böses Blut gesorgt hat.

Der Betriebsrat hat auf die symbolische Geste (die die vier Vorstandsmitglieder allerdings zusammen an die 200.000 Euro kosten könnte) bisher verhalten reagiert und gemeint, das würde die Verhandlungen "zumindest nicht erschweren". Aber in der Sache wolle man nicht so leicht nachgeben.

Weniger geschickt sieht man eine andere Aktion: Wiens Wirtschaftskammerchef Walter Nettig und Kongresstourismus-Chef Rudolf Kadanka waren dem AUA-Vorstand mit der Aussage zu Hilfe geeilt, ein Scheitern der AUA würde den Wirtschaftsstandort Wien gefährden. Kadanka hatte sich dabei zur Aussage verstiegen, es sei eine Insolvenz zu befürchten. Keine ganz unproblematische Anmerkung für eine börsenotierte Gesellschaft. Zum Glück nimmt den Touristiker aber offenbar kein Börsianer ernst: Der AUA-Kurs legte am Dienstag nämlich zu.

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