Halbpension oder gar nur Frühstück?

I
n Deutschland wird der Österreicher verlacht, wenn er davon schwärmt, in Pension zu gehen. Der Deutsche stellt sich unter diesem Begriff bloß Urlaub vor. Er besteht darauf, dass er nach dem Malochen im Ruhrpott etwas Ruhe verdient hat, dass er für zwei, drei Wochen alpenländische Häuser heimsuchen darf. Und die einzige Frage für ihn ist: Vollpension, Halbpension oder gar nur Frühstück, mit dem Ei extra? Dieser Pensionist ist ein Kostgänger, der voll zahlt und deshalb auch anschaffen darf.

Pension, das ist was für vermögende Leute, fast schon eine Apanage, etwas Nobles halt. Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet Jahrgeld für Beamte, aber auch Ehrensold. Mit dem zu Grunde liegenden lateinischen "pensio" meinte man den Pachtzins. Pension kassieren ist also etwas für wohlbestallte Herren. So stellt sich der Österreicher seinen Lebensabend vor.

Wenn der Deutsche von Profanem wie dem Altersgeld spricht, dann nennt er das Rente - ein Einkommen aus rechtlichen Ansprüchen, nach getaner Lebensarbeit. Auch das ist natürlich ein herrschaftliches Wort, aber man merkt ihm das Verschwitzte an, die Mühe, Geld von Schuldnern so effizient einzutreiben, dass es sich wirklich rentiert. Um die Rente zu bekommen, lohnt es sich, auf die Straße zu gehen. Nur dann wird man diesen gesellschaftlichen Tribut voll erhalten.

Was lehrt uns dies? Der Begriff "Pensionsreform" ist viel zu unpräzis, um den tatsächlichen Vorgang des Hortens und Mehrens zu beschreiben. Man muss schon differenzieren.

L
iebe Politiker der alten Schule: Das Ruhekissen, das sich die Stumm volls und Haiders und Edlingers künftig gemütlich aufschütteln, entspringt nicht der Pensionsreform, sondern der gesondert behandelten "Apanagereform". Ihr seid die Kings and Queens, die Entscheidungsträger bei der Wertschöpfung. Liebe Alt-68-er, die Ihr den Marsch durch die Institutionen bis zum Hofrat und der logischen Frühpension geschafft habt: Ihr seid die wahren Pensionäre dieses Landes, der Hochadel der neuen Klassengesellschaft.

Liebes ASVG-Volk: Euch können wir nichts unter den Christbaum legen als eine ordinäre Mindestrente.

Liebe Buben und Mädchen: Für euch haben wir uns die "Ausgedinge-Reform" ausgedacht: Pension ohne Ei und Frühstück. Aber mit Panoramagebühr für die Charakter bildende Aussicht.

norbert.mayer@diepresse.com

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