Meinung: Späte Reaktion

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umm gelaufen für die SPÖ in Klosterneuburg. Da rafft sich ihre Fraktion im Gemeinderat nach reiflicher Überlegung dazu auf, der ansässigen Sammlung Essl Pornografie, Perversion und Barbarei vorzuwerfen - und zeitgleich wird das Sammler-Ehepaar von der renommierten "ArtReview" unter die einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt gereiht. Wie soll man das bewerten? Ist Hermann Nitsch den Roten zu rot? Elke Krystufek zu wild? Franz West zu international für den sozialistischen Realismus in Niederösterreich?

Fragen über Fragen, aber leichte Antworten: Vor den Vorhang mit der Sammlung Essl! Dieses tolle Kunst-Museum ist ja nicht nur in Wien weltberühmt.

Und wo bleibt die rote Reaktion? Spätestens nach Rücksprache mit der Löwelstraße sollte sich herausstellen, dass der Angriff auf die Freiheit der Kunst nicht ernst gemeint war. Vielleicht ist der Dringlichkeitsantrag der SPÖ nur eine subtile Art von Aktionismus. Eine Chance für die Sammlung: Stellt sie aus, die Rote Garde! Den Sozialismus in seinem Lauf / halten weder Nitsch noch Essl auf.

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