Die Feinde niedermähen, zerschlagen - das klingt nach primitivem Kriegshandwerk.
Wie geht man als zivilisierter Mensch mit unterlegenen Feinden um? Die Hochkultur des Alten Rom praktizierte ein einfaches Konzept, als der ewige Widersacher Karthago den Dritten Punischen Krieg verloren hatte. Die Stadt wurde geschleift, umgeackert, Salz drauf - und das Problem war entsorgt.
Das war aber noch nicht alles. Um vor der Geschichte als gerechter Sieger dazustehen, muss man sich auch der üblen Nachrede bedienen. Die Nachkommen sollen wissen, warum sich der teure Waffengang gelohnt hat. Unsinniges abstraktes Gerede über den Klassenfeind oder die Konterrevolution ist da zu wenig effizient. Vielleicht war auch diese ideologische Zurückhaltung ein Grund dafür, warum sich der Kommunismus nicht durchgesetzt hat. Die wahre Weltmacht weiß, dass sie ihre Chronik drastisch zu schreiben hat.
Eine der perfidesten Methoden, den Gegner effizient schlecht zu machen besteht darin, ihn aus der Menschheit zu verbannen: in das Tierreich. Ratten und anderes Ungeziefer sind gefährliche Wesen, die man vernichten muss. Nach diesem Muster wurde in den Religionskriegen des 17. Jahrhunderts Politik gemacht - ihre dunkelste Ausformung fand sie dann im 20. Jahrhundert in der Nazi-Ideologie der Auslöschung.
Dieses abschreckende Beispiel sollte reichen. Geschichtsbewusste Menschen stellen solche Vergleiche nicht an. Doch das hat den bisher als Gentleman gerühmten amerikanischen Außenminister Colin Powell nicht davon abgehalten, dem irakischen Diktator Saddam Hussein das Menschliche vollkommen abzusprechen. Er sei "Müll, der darauf wartet, eingesammelt zu werden". Das klingt unversöhnlich wie aus dem Zweiten Buch Moses, in dem berichtet wird, dass der Herr Pharaos Wagen und seine Macht ins Meer warf: "Die Tiefe hat sie bedeckt, sie sanken auf den Grund wie die Steine . . . sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser." (2. Mose 15, 5f.)
Die Feinde niedermähen, zerschlagen - das klingt nach primitivem Kriegshandwerk. Sie als Müll zu bezeichnen, ist heimtückisch, als ob Powell die Urängste seiner Nation beschwören will. Abfall, im wörtlichen Sinn, haben die USA zum Überfluss. Und mit "white trash" meint man in den USA auch das weiße Gesindel (schwarz ist offenbar ohne "trash" pejorativ genug.) "Müll", das entsorgt man in Texas, ohne lang darüber nachzudenken.