Terminator im Irak

Ohne kulturelle Dominanz geht's nicht: Nur wer freiwillig Cola trinkt, ist auf Dauer befriedet.

Die Kampfmaschine knatterte laut, als ich meinen ersten Schwarzenegger-Film sah: "Terminator", 1986, in Budapest, in einem düsteren, überfüllten Video-Caf©, das hatten sie dort schon damals, nicht einmal wirklich im Verborgenen. Drei Jahre später war der Eiserne Vorhang Geschichte. Und weitere fünf Jahre später ließ sich ein anderer Held der Populärkultur in seiner "History" als Befreier Osteuropas von den sowjetischen Truppen feiern: Michael Jackson in einer seiner befremdlichen Allmachtsfantasien. Dann ließ er in Vösendorf und anderen Zentren der Welt seine Statue aufstellen, seither geht's bergab mit ihm.

Völlig Unrecht hatte er nicht, der King of Pop. "We can fight Marx with Coca-Cola!", hatte Friedrich Torberg polemisiert - und schelmisch begründet: Man kann es trinken, muss aber nicht. Ähnliches gilt für Jackson und Schwarzenegger. Konsumartikel und Pop, nicht die Hochkultur repräsentieren die "westliche Welt", indem sie, selbst Waren, ihren freien Markt repräsentieren; sie wecken und schüren die Sehnsüchte nach ihrer Hegemonie, dort, wo sich diese noch nicht durchgesetzt hat. Breschnew und Honecker wussten, warum sie Coca-Cola nicht lizenzierten und weder Michael Jackson noch die Rolling Stones einluden.

So hätte auch der an sich laizistisch gesinnte Saddam Hussein nie Arnold Schwarzenegger eingeladen, wiewohl er westlichen Kitsch im trauten Heim gern konsumierte. Jetzt, nach dem Fall, kommt sie, die steirisch-amerikanische Eiche: Heute, Freitag, am Independence Day, wird Schwarzenegger im Irak erwartet. Er wird seinen neuen Film "Terminator 3" vorführen. Vor amerikanischen Soldaten, doch das eigentliche Zielpublikum sind die Iraker.

Selbst George W.  Bush weiß: Ohne kulturelle Hegemonie bleibt politische und wirtschaftliche Dominanz instabil. Nur wer freiwillig Cola trinkt, ist auf Dauer befriedet. Dass überhaupt noch 150.000 US-Soldaten im Irak dienen müssen, liegt im Grunde daran, dass die Kinos dort noch nicht den Terminator zeigen, genauer: dass man ihn nicht schon vor drei Jahren in einem düsteren, überfüllten Video-Caf© in Bagdad gesehen hat. Dass man den Islamismus nicht erfolgreich mit Cola bekämpft hat, sondern Waffen brauchte.

Bleibt nur eine Frage: Sollten die USA nicht doch lieber Bruce Springsteen in den Irak schicken als Arnold Schwarzenegger? Manchmal kann kulturelle Symbolik nämlich auch zu eindeutig sein.

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