Meinung: Dürrer Mond: eine Enttäuschung

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et's swim to the moon", sang Jim Morrison 1967. Zwei Jahre später, im Juli 1969, waren seine Landsleute zum ersten Mal dort. Wieder zweieinhalb Jahre später, im Dezember 1972, das letzte Mal: Seither hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Und auch wenn wir nachts gern in seinem Licht leben - so wirklich zieht es uns nicht hin, auf diesen Trabanten ohne Luft und (fast) ohne Wasser. Denn die Meere des Mondes sind so trocken wie sein Kalb körperlos.

Oder doch nicht? Regelmäßig erscheinen wissenschaftliche Publikationen, die von größeren Mengen Wasser dort wissen wollen - nur im Dauerschatten allerdings, in der Sonne würde es, ungehindert durch Atmosphäre, schnell verdunsten. Fast genauso regelmäßig bescheinigen andere dem Mond Trockenheit. So berichten US-Astronomen in der heutigen Ausgabe von "Nature" dass ein auf einen ewig schattigen Mondkrater gerichtetes irdisches Teleskop keine Spuren von Wasser fand. Von gedämpften Hoffnungen sprechen die Agenturen.

Wieso Hoffnungen? Will wer auf dem Mond schwimmen? Gibt es noch Utopisten in- oder außerhalb der Nasa, die der Menschheit lunare Kolonien verordnen? Oder soll nur ein einsamer Raumfahrer nach den Resten der dort geparkten US-Flagge tauchen? Bescheidener noch: Die Forscher der Raumagenturen hätten so gerne eine Aufgabe für ihre Sonden, eine Mond-Mission, die den - nicht speziell an Geologie interessierten - Irdischen noch irgendwie spannend vorkommt. Doch leider: Wie trocken der Mond ist, können wir bald mit ausreichender Sicherheit von der Erde aus feststellen, dazu muss kein Roboter mehr schürfen.

Man muss sich wohl dreinfinden: Dieser Begleiter ist dürr und öd. Am aufregendsten ist sein Schein, den besingen die Dichter und beklagen die Kellner.

thomas.kramar@diepresse.com

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