Meinung: Der Kaiser von China

S
o viel Nähe war nie. Die österreichi schen Medien begleiteten Arnold Schwarzeneggers kalifornische Kampagne mit einem unheimlichen Bedürfnis nach Verbrüderung. Im ORF-Thema setzte sich der Moderator wie zum Spaß eine "Pro-Arnold"-Narrenkappe auf den Kopf. Die auflagenstärksten Zeitungen wünschten dem Superstar vorsorglich viel Erfolg. Und seit diesem Mittwoch ist nicht nur ganz Steiermark, sondern wahrscheinlich auch toute Vienne mit dem Dominator aus Hollywood per Du. Wir werden es erfahren, bei den Lugners, dem Dr. Haider oder dem Dr. Zilk.

Der Wunsch nach Intimität, nach Vereinnahmung des erfolgreichen Kandidaten ist aber keine sentimentale österreichische Marotte, sondern der zentrale Punkt im Wahlprogramm Schwarzeneggers. Er will es so. Alle nennen ihn Arnie, als wäre er einer von uns.

Er gibt Hoffnung. Ein Mann aus bescheidenen Verhältnissen erfüllt sich den amerikanischen Traum und ist auch noch dankbar, ein Idealist wie Ronald Reagan, der große Kommunikator, der eine rosige Zukunft verspricht. Da möchte man dabei sein, das ist kein B-Movie. Ganze Busse voller Journalisten hetzten wochenlang hinter dem Schauspieler her, wünschten wohl, sie gehörten zu ihm.

Doch das ist nicht wahr. Sie sind bloß Entourage, Kulisse und Lautsprecher für das Märchen vom idealen Prinzen, der das arme Kalifornien rettet.

H
eran gekommen sind sie nicht an ihn. Denn die Weltberühmtheit agiert wie der Kaiser von China. Er ist omnipräsent und doch unnahbar. Mit seinen guten Freunden Jay Leno und Oprah Winfrey kommt er in alle Wohnzimmer der USA, und sie sagen den Text auf, den das Script vorschreibt. Audienzen ja, Zwischenfragen nein. Auch die britische Queen weiß, wie praktisch dieses königliche Protokoll sein kann.

Die Eröffnungsszene des Blockbusters "Arnie I" ist gedreht. Der Mann mit dem Besen wird alles besser machen. Er wird alles ändern, damit alles bleibt, wie es ist. Und wie geht es weiter? Es gibt wieder Strom, der Gouverneur verhilft seinem Parteifreund George Bush 2004 zur Wiederwahl. Und das Finale? Der Senat beschließt, dass verdiente eingebürgerte Amerikaner, nicht wie bisher nur gebürtige, US-Präsident werden können. Amerika steht wieder unter Strom. Das ist der Stoff für weitere abendfüllende Filme, für werbegesättigte Trailer. Just do it.

Anlass zur Sorge? Nein. Wer so professionell Wahlkämpfe führt, der kann mit einem guten Team auch ein Land verwalten. Und sein Englisch ist mit dem von George Bush durchaus vergleichbar.

norbert.mayer@diepresse.com

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