Meinung: Gilbhart, der Schreckliche

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rüher war alles besser. Da gab es noch Regierungen, die geschlossen in den Zoo gingen, zum gemütlichen Direktor Pechlaner, da gab es Kabinettsmitglieder, die sich anschließend mit Kosenamen wie Susi oder Strolchi neckten. An besonders harmonischen Abenden machte das Team sogar ein bisschen Hausmusik.

Dann war alles anders, nüchterner, der Saison angemessen. Am Dienstag nach dem Ministerrat gab es zuletzt keine Doppel-Conference Schüssel/Haupt. Und selbst gemeinsame Spaziergänge signalisierten Zwist. Bundeskanzler und Vizekanzler gehen zum Bundespräsidenten. Zu Klestil? Den ganzen langen Weg gemeinsam über den Ballhausplatz? Wer am Montag diese Nachricht hörte, dachte wohl unwillkürlich an einen Termin beim Scheidungsrichter.

Liegt es am Herbst, am schrecklichen Oktober, den alte Germanen Gilbhart rufen, diesem Unhold, der die Blätter revolutionsrot färbt? Irgendwie möchte keine Freude aufkommen darüber, dass die Regierung die neue Herbstkollektion an Kabinettsmitgliedern vorführt. Irgendwie klingt alles nach Abschied, als ob die Regierung ratlos darüber wäre, dass Verfassungsrichter ihren Reformeifer bremsen. Dass selbst das Volk vom Arlberg bis zur Enns nichts mehr eingebläut haben will. Und seltsam auch, dass die ersten substanziellen Meldungen über eine Regierungsumbildung nicht vom Ballhausplatz, sondern aus Kärnten kommen. Binschonweg-Binschonda erklärt, welche Politiker fast schon weg, welche fast schon da sind.

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as war eigentlich die wesentliche Aussage dieses Montags. Jörg Haider vermittelt durch seine Regierungsbildungs-Nebentätigkeit den Eindruck, fast schon wieder da zu sein. Weil aber die Sprunghaftigkeit des Kärntner Landeshauptmannes fast schon berüchtigt, weil bis zur Drucklegung dieser Zeitung noch einige Minuten Zeit war, sollte man sich auf das fixieren, was bleibt. Die gute Nachricht also: Herbert Haupt bleibt Patenonkel des entzückenden Nilpferdbabys im Tiergarten Schönbrunn. Hubert Gorbach wird die ÖBB nicht sanieren. Aber wahrscheinlich darf er nach dem Ministerrat Wolfgang Schüssel bei den Pressekonferenzen assistieren. Und Ursula Haubner gewinnt an Einfluss. Zumindest dem Mädchennamen nach bleibt Haider also in der Regierung. War er denn jemals weg?

norbert.mayer@diepresse.com

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