W
ie Pippi Langstrumpf" rechne Kunststaatssekretär Franz Mo rak, meinte SP-Kultursprecherin Christine Muttonen, und das klang ja eigentlich recht charmant. Ansonsten herrscht in der Angelegenheit des von oben revolutionierten Filmfestivals Diagonale auf beiden Seiten der Tonfall des Trotzes. Wenn der Staatssekretär z. B. vorschlägt, man möge die neue Führung der Diagonale "vorerst in Ruhe arbeiten lassen", muss das für deren Kritiker wie Hohn klingen. Sie können sich trösten lassen: Peter Oswald, Leiter des steirischen Herbstes, hat ihnen bereits zugesichert, eine etwaige "Gegen-Diagonale" "moralisch zu unterstützen".
Ja, so ist das: Wer kein Geld kriegt, muss mit der Moral vorlieb nehmen - klein, aber fein; arm, aber unkorrumpiert von den schnöden Mächten der Wirtschaft und der Politik. Ein verführerischer Partout-Standpunkt: Gerade die klugen Filmemacher, -produzenten, -kritiker Österreichs täten gut daran, ihn nicht einzunehmen. Das Szenario, dass ein kommerziell ausgerichtetes, mit allen öffentlichen und privaten TV-Anstalten bestens - im Sinn der Produktion reibungsloser Unterhaltung - kooperierendes Festival auch noch den Löwenanteil der staatlichen Filmförderungen einstreift, ist zu obszön. Es droht: Wenn Haneke, Albert, Rebic & Co. nicht mitmachen, werden Produzenten der Mainstream-Ware à la Schwarzenberger sich nicht scheuen, die Hände aufzuhalten. Und im Sektor Musical sieht man ja, dass in Österreich reine Kommerz-Ware gern und gut subventioniert wird.
E
s ist ärgerlich, dass Morak mit Jus tament-Statements wie "Film kann Kunst sein, er ist aber ganz sicher auch Wirtschaft" immer wieder ein Bild vermittelt: Die Bürgerlichen kümmern sich ums Geschäft, um die wertvolle, womöglich - Hilfe! - "elitäre" Kunst werden sich schon "die Linken" kümmern. Eine Haltung, die dem einstigen bildungsbürgerlichen Ideal völlig konträr ist.
Film ist ein teures Medium, und es bezieht seine Lebendigkeit auch daraus, dass "anspruchsvoll" und "populär" einander nicht ausschließen. Wer sich nicht auf in Spezial-"Schienen" exklusiver Festivals gezeigte Experimental-Videos beschränken will, soll sich mit gutem Recht um die bereitgestellten Förderungen bemühen. Es wäre kurzsichtig, mit dem billigen Trost, "moralisch" im Recht zu sein oder die von Morak installierte Führung zu blamieren (was diese womöglich gar nicht merken würde), darauf zu verzichten. Die Diagonale ist noch nicht verloren. Pippi braucht ein kunterbuntes Haus in Graz.
thomas.kramar@diepresse.com