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enn Joe Zawinul in den Siebzi gerjahren mit seiner Band "Weather Report" im Wiener Konzerthaus auftrat, wartete man - jetzt können wir's ja zugeben! - andächtig auf ein gemurmeltes "Servus!" aus seinem Mund: Dass dieser Mann, der den "Electric Jazz" geprägt hat wie kein anderer (außer Miles Davis natürlich), aus Wien stammt, machte Wiener Jazzfans stolz und glücklich.
Seither sind fast 30 Jahre vergangen: Zawinul spielt seit geraumer Zeit alljährlich beim Jazzfest Wien, hat seiner alten Heimat u. a. den köstlichen "Erdapfel Blues" gewidmet, empfängt die üblichen und verdienten Auszeichnungen, und selbst die begriffsstutzigsten Tratschkolumnisten haben registriert, dass er auf Bubenstreiche mit dem Bundespräsidenten zurückblicken kann. Ja, es scheint, dass sein Akzent sich allmählich vom wienerisch durchzogenen New-York-Slang zum amerikanisch modulierten Erdbergerisch entwickelt, auch das freut den Patrioten.
Nun, nach langer langsamer Heimkehr, kommt das grob- bzw. baustoffliche Comeback: Joe Zawinul erhält seinen eigenen Jazzclub im Hilton (siehe Seite 31), die Stadt zahlt die Baukosten. Nicht aus dem Kulturbudget, wie eilig hinzugefügt wurde, sondern aus längst reservierten "zusätzlichen Mitteln".
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o sympathisch solche Großzügig keit wirken mag, man darf doch einwenden: Wien hat nicht nur seit zehn Jahren mit dem "Porgy & Bess" einen gut gehenden, international renommierten Jazzclub, sondern auch eine blühende Jazzszene und etliche Lokale vom "Reigen" bis zum "Miles Smiles", die diesen Musiksektor bestens abdecken. Dazu kommt, dass Zawinul, der in letzter Instanz selbst programmieren will, sich bei seinen letzten Auftritten, vorsichtig gesagt, nicht gerade als Innovator gezeigt hat, dass sein Begriff von "Weltmusik" recht antiquiert wirkt.
Dafür klang er bei der Präsentation seines "Birdland" nicht kleinlaut: "Jetzt mach' ma aus einer Weltstadt eine Musikweltstadt!" "Wien wird wieder Weltstadt" hieß ein bitterer Sketch von Helmut Qualtinger, der damit einen Wiederaufbau-Slogan der Nachkriegsjahre variierte. Zawinul kann sich vielleicht daran erinnern. Und vielleicht hat er seinen Satz doch selbstironisch gemeint, schön wär's. Ein Mann und - gewiss nicht nur selbsternannter - Weltmeister, dessen Mutter einst Cannonball Adderley mit Schweinsbraten bewirtet hat, hat es nicht notwendig, sich mit Wiener Geld als Onkel aus Amerika aufzuspielen, der dem armen Wien den Jazz oder gar die Musik bringt. Ansonsten: Servus, Joe Zawinul, und Respekt!
thomas.kramar@diepresse.com