Rauchzeichen aus Bagdad

Eine Resolution der UN gegen Kunstraub - da wird sich das internationale Verbrechen aber richtig fürchten!

Stolz hat US-Präsident George Bush in passender militärischer Umgebung auf einem Flugzeugträger im Pazifik das Ende der Kampfhandlungen im Irak verkündet. Zeit also, für Ordnung zu sorgen? Wenn man den Umgang mit den gestohlenen Kulturgütern aus Iraks Museen betrachtet, ist das Land jedoch weit von der Normalität entfernt. Das irakische Nationalmuseum sei noch immer ohne Strom, deshalb sei es noch gar nicht möglich, den Schaden in den dunklen Lagerräumen tatsächlich abzuschätzen, hieß es unlängst aus Bagdad. Zwar gab es von britischer und amerikanischer Seite feierliche Versprechungen, dass man den Plünderern auf die Spur kommen wolle. Deshalb würde die Grenzen des Irak dicht gemacht. Doch westliche Archäologen, die unlängst von Irak nach Jordanien fuhren, bemängelten nachlässige Grenzkontrollen. Nur die jordanischen Zöllner hätten sie überhaupt angehalten.

Bei einem Treffen von Altertumsforschern im British Museum richteten irakische Wissenschaftler erneut schwere Vorwürfe gegen die amerikanisch-britischen Truppen. Sie hätten sie bei Beginn der Plünderungen angefleht, das Nationalmuseum wenigstens mit einem Panzer zu schützen. Doch das sei von den Militärs abgelehnt worden. So konnten die ortskundigen Räuber, die mit Glasschneidern und Nachschlüsseln bewaffnet waren, sogar 160 Kilogramm schwere Steine abtransportieren. Kopien ließen sie stehen. Das sieht ganz nach international organisiertem Verbrechen aus.

Die Schadensbegrenzung, die die Fachleute in London unter dem Schutz von Unesco und British Museum erörterten, sieht vergleichsweise hilflos aus. Ein Katalog der gestohlenen Güter - eine rote Liste - soll den Weiterverkauf erschweren. Auch die Summe, mit der Washington die Suche und Restaurierung unterstützt, klingt lächerlich. Zwei Millionen Dollar will das Außenministerium locker machen. Diese Summe hat dem Verteidigungsministerium wahrscheinlich nicht einmal für eine Minute Bombenangriff auf Bagdad gereicht.

Die Wissenschaftler sind bestürzt und trauern, die Unesco macht das, was sie am besten kann - sie erwägt eine Resolution zur Ächtung von Handel mit geraubten Kunstgegenständen. Das wird die Kunst-Dealer von New York bis Tokio von Berlin bis Moskau aber mächtig beunruhigen! Möglicherweise geht es den Archäologen nämlich so wie Bush bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen: "Wir haben Informationen über hunderte Stellen", sagte der stolze Sieger auf der "Abraham Lincoln". Das ist zwar viel Rauch, aber noch kein Feuer.

norbert.mayer@diepresse.com

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