Monteverdi wusste noch, wie es geht. Doch wer singt heute Loblieder auf die Herrschenden?
Früher, in der guten alten Zeit, als die Rüstung noch geholfen hat, da waren die Herrscher so beliebt, dass ihnen die größten Künstler Kränze flochten. Und zwar nicht für eine gelungene Pensionsreform, für eine neue Wasserleitung oder die Herabsetzung der Sekt-Steuer - nein, das Kriegshandwerk riss Musikanten und Dichter zu Begeisterung hin. Monteverdi etwa hat sich mit schmissigen Sonett-Vertonungen an die Habsburger herangeschmissen: "Soll ein anderer von Amor singen, . . . ich singe von Mars, zornig und wild"; so schleimte sich der Venezianer bei den Habsburgern ein.
Ursprünglich wollte er seine "Madrigali guerrieri" dem in Graz residierenden Kaiser Ferdinand II. widmen. Doch der starb zu früh. Kein Problem. Der Dreißigjährige Krieg dauerte noch lang, die Habsburger und ihre Feinde metzelten lustvoll weiter, also war es nicht sehr auffällig, dass statt Ferdinand dem II. der III. zu poetischen Ehren kam: Die schwungvolle Botschaft aus Venedig passte auch für den erzkatholischen Sohn, der wenig von Ökumene hielt.
Und heute? Heute sind die Dichter irgendwie nicht mehr ganz so locker, wenn es gilt, dem Imperium die Ehre zu erweisen. Schlimmer noch: Der Poeta laureatus von New Jersey (der nicht Bruce heißt!) wandte sich in kränklichen Versen gegen die Herrschaft des George W. Bush II. und wurde folgerichtig entlaubt. Konsequent. (An den Namen des armen, irregeleiteten Dichters kann sich niemand erinnern.)
Schade aber für die Bush-Dynastie, dass die Dichter versagen. Wer soll nun den mächtigen Republikaner loben? So viele Siege von Guantanamo bis Kandahar - und nicht einmal eine anständige Ode? So karg sind die poetischen Huldigungen, dass die Administration zum Selbstlob greifen, sich bei Darstellung der Massenvernichtungswaffen-Gefahr dichterische Freiheiten nehmen und jetzt sogar die Aufräumarbeiten mit Eigenlob verfälschen muss.
Das ist erniedrigend. Deshalb eine kleine Mars-Huldigung aus Wien:
"George Bush machte den Udai kalt,
und auch der Kusai wurd' nicht alt.
Ein Hoch dem Peiniger der Heiden!
Wann wird er Saddam niederschneiden?
Gepriesen sei der Texas-Mut,
Osama spüre seine Wut,
und Friede herrsche hier und da
von Asien bis Afrika."