Meinung: Noch Fragen, Mr. Lauterbur?

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ndlich Freitagabend! Es war die härteste Woche des Jahres für un ser kleines Team im Feuilleton. Während andere Ressorts Hollywood abfeierten oder die AUA-Piloten beim Nicht-Fliegen beobachteten oder die Koalitionsregierung beim törichten Schmollen, gab es hier den Triathlon: Buchmesse, Nobelpreise, Medientage - das erfordert harte Disziplin.

Für alle also, die durch Arnie zu stark abgelenkt waren, nun eine Synopse der wirklich wichtigen Geschehnisse. Was ist das schwerste Buch? Diese Frage ist der eigentliche Grund dafür, weshalb die Leseratten seit Jahrtausenden jährlich nach Frankfurt pilgern. Bisher wog Proust viel, doch der neue Weltmeister heißt G.O.A.T.: 34 Kilogramm Bildband-Biografie zu Muhammad Ali. Das beantwortet vorerst, wer der Größte sei. Eine Herausforderung für Muskelmänner.

Kleiner gaben es diesmal die Naturwissenschaftler, um in Stockholm zu reüssieren. Es gibt keine Heroen mehr in den harten Disziplinen. Dazu sind die Wissenschaften viel zu zersplittert. Man kann sich nicht einmal in Nachbardisziplinen verständigen. Das soll die Leistung der Herren - wie immer vorzugsweise Amerikaner, aber Russland holt auf - nicht schmälern. Doch die Fortschritte im Feld der Magnetresonanz-Spektroskopie (Medizin), im Feld der Supraleitung und Suprafluidität (Physik) sind nicht der große Sprung, sondern die Knochenarbeit von Leuten, die nicht zu fragen aufhören.

Und dann gibt es noch Biochemiker, die unbedingt wissen wollen, wie Wasser und Ionen durch Zellmembranen geschleust werden.

Sie haben Antworten gefunden. Deshalb bitte noch einmal vor den Vorhang, Mr. Lauterbur und Mr. Mansfield, die Herren Abikosov, Ginzburg und Leggett, Agre und MacKinnon. Fragen Sie weiter!

D
en einzigen Nobelpreis für eine Frau gab es diesmal für den Frie den. Wenigstens das. Denn bei Durchsicht der Listen fällt auf, dass in Oslo meistens Männer gewinnen, oft auch solche, die offenbar nur begrenzte Zeit ohne Aggression auskommen können. Beim starken Geschlecht reicht das Verdienst, nicht mehr Krieg zu führen. Vielleicht sollte man künftig zwei Preise vergeben: den Friedensnobelpreis für die Frauen und den vorläufigen Waffenstillstandsnobelpreis für die Herren.

Noch Fragen, Herr Lauterbur? Recht gern: Warum färben sich im Herbst die Blätter rot und gelb? Oder: Machen Anabolika glücklich? Erfolgreich? Demnächst sollte man Genaueres wissen.

norbert.mayer@diepresse.com

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