Als der Geiz noch geil war

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ehr Geld!" offeriert das neue, wie man hört, unter redaktioneller Sparsamkeit erstellte "Format", mit einem zart sommersprossigen Finanzminister auf dem Cover. Er, KHG, sieht nicht so aus, als ob er mit allen Mitteln und unbedingt an Spesen sparen würde, während Josef Taus im Blatt versichert: "Persönlich ist es mir nie um Geld gegangen."

Ja, über (Taschen-)Geld spricht man nicht, das hat man, hieß es Ende der Siebzigerjahre - bevor dann, vor den pastellfarbenen Sakkos, die "Young Urban Professionals" kamen und sehr wohl über Geld sprachen, ganz ungeniert, und es genauso ungeniert erwarben, aber genierter wieder verloren. Dazwischen waren die unschuldigen Zeiten, als lebensfrohe Magazine (mit oder ohne Zeitgeist auf dem Cover) den Lesern noch "exklusiv" einreden konnten, wie sie ihr Geld mehren, je exponentieller, desto besser. Als ernstere Kommentatoren den Zeigefinger hoben, weil das gemeine Volk den (doch ach so sicheren) Aktienkauf scheute. Als Tipps, wie man reicher und älter, potenter und schöner wird, noch glaubhaft wirkten. Heute, nachdem viele Kleinaktionäre lieber nicht mehr über ihre Aktien reden, kommen nur mehr die Hausierer mit solchen Sprüchen und reden uns tolle Versicherungen ein, Hautfalten-Killer, Telefon-Vorwahlen, mit denen garantiert die Rechnung auf die Hälfte sinkt . . .

Wenn man gut gelaunt ist und sie nicht gleich via E-Mail ins Haus gekommen sind, lädt man sie auf Kaffee und Kekse ein, die armen freischaffenden Vertreter, die Tandler und Krämer des freien Marktes. Glauben tut man ihnen kein Wort. "Geiz ist geil": Wer heute so wirbt, kokettiert damit, dass jeder weiß, dass Sparsamkeit gar nicht geil ist, sondern nach realer Armut riecht, bestenfalls nach dem künstlich aromatisierten Joghurt im Supermarkt, das um die paar Cents billiger ist, die man doch nicht hat.

"JETZT NEU: Mehr Geld. Mehr Erfolg. Mehr Leben": Das steht auch auf dem "Format"-Cover. Nach "Mehr Leben" fehlt der Punkt, als ob eine besinnliche Fermate folgen müsste, oder eine nostalgische Schweigeminute. Im Gedenken an Zeiten, als die Yuppies noch unter uns waren und mit Freiheit die Freiheit zu investieren meinten. Als Produktvergleiche cool waren und die Börse ein Abenteuerspielplatz. Als Geiz geil war. Aus diesen Zeiten ist ein Ruf geblieben, und er klingt nicht mehr stolz: Mehr Geld!

thomas.kramar@diepresse.com

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