Das Künstlerhaus hätte sich schon längst nach privaten Investoren umsehen müssen.
Eine endlose Leidensgeschichte: Das Wiener Künstlerhaus kämpft - wieder einmal - ums Überleben. Präsident Manfred Nehrer stellt mit Anfang Oktober den Ausstellungsbetrieb ein. Der Verein kann sich sein Programm nicht mehr leisten.
Eine Situation, die sich in regelmäßigen Abständen seit der Nachkriegszeit wiederholt. In den sechziger Jahren überlegte man sogar das 1868 von Kaiser Franz Josef eröffnete Haus abreißen zu lassen. Vermietungen retteten vor dem Konkurs: Die Wiener Festwochen und das Historische Museum zeigten hier am Karlsplatz Großausstellungen. 1992 begann sich auch KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel für seine Gold- und Ägypten-Ausstellungen einzukaufen.
Seipel, die Stadt und auch Karlheinz Essl meldeten damals Interesse an, das Haus zu betreiben - die Vereinsmitglieder lehnten ab. Und dann war sie schon da, die städtische Kunsthalle am Karlsplatz und Essl baute in Klosterneuburg. Das Künstlerhaus stand im Regen. Kurzfristige Rettung kam von Februar 1997 bis Februar 2002: Ministerin Elisabeth Gehrer mietete das Haus jeweils eine Jahreshälfte für die Bundesmuseen an. Nach Auslaufen der befristeten Vereinbarung fand sich das Künstlerhaus in der schon redundanten Krise wieder. Wien besitzt in der Zwischenzeit genügend Quadratmeter für Kunst. Und das eigene Programm des Künstlerhauses - zeitgenössische Kunst und Design - lässt die Kassen hierzulande nun einmal nicht klingeln.
Das Künstlerhaus ist auf Partner angewiesen und hätte den idealen auch gefunden: Das Historische Museum giert berechtigt nach mehr Platz. Nur kosten darf es anscheinend nichts. Der zuständige Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny windet sich hochnotpeinlich und schiebt die Verantwortung auf den Bund. Völlig absurd! Hält Gehrer doch schon die eigenen Museen am Kosten-Limit.
So wird am Ende des Tages die Stadt Wien in den Apfel beißen müssen. Er wächst ja schließlich in ihrem Garten, und für das Historische Museum ist er alles andere als sauer. Die Räume sind für kulturhistorische Ausstellungen, wie man aus erfolgreicheren Zeiten weiß, hervorragend geeignet. Da bräuchte man keinen teuren unterirdischen Ausbau, auf den das Künstlerhaus beharrt. In einer finanziellen Notlage zu expandieren, löst keine Probleme. Nur die Sanierung des Altbaus ist unverzichtbar. Dafür muss sich der Künstlerhaus-Verein nach privaten Investoren umsehen. Das hätte er schon längst tun sollen.