Kollektive Ausflüge zu Pop-Festivals: Symptome einer Gegenbewegung zur Ich-AG-Ideologie?
Sie kaufen keine Tonträger mehr, die jungen Leute, konstatiert die Plattenindustrie alle Jahre wieder im Tonfall gerechter Empörung. Sie besuchen dafür viel mehr Konzerte und Festivals, stellen deren Veranstalter freudig fest. Ganz offensichtlich haben viele Pop konsumierende Teens und Twens ihr Budget umgeschichtet: weniger Geld für die überteuerten, aber deflationär auf den Markt geworfenen CD's, mehr für das physische, ganz und gar nicht virtuelle Live-Erlebnis, vor allem auf ländlichen Festivals. Widrige Umstände erhöhen den Abenteuer-Wert, wie schon die Alten wussten: Was wäre Woodstock ohne Regen gewesen? Das gilt auch für Wiesen.
"Ich will Teil einer Jugendbewegung sein", sang die Hamburger Trotzkopf-Band Tocotronic. Die kollektiven Ausflüge inklusive Übernachtung im Zelt sind da sozusagen die Minimalvariante. Es wäre freilich pathetisch, sie als Anfänge einer Gegenbewegung zur Ich-AG-Ideologie zu sehen. Immerhin ist der deutsche Hiphop erst dabei, diese in knorrige Breakbeats zu kleiden. "Konzentrier' dich auf dich selbst und schau nie zurück", rappt derzeit in allen "alternativen" Radiostationen die Münchnerin Fiva MC. Die Frau studiert Soziologie. Ob sich wohl, wenn sie damit fertig ist, solche Sprüche noch in Management-Training-Workshops auswalzen lassen?