Viel Zukunft "eingepreist"

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igentlich läuft es an den Börsen ja wunderbar: Vor dem Wochenende hat es in Frankfurt ein richtiges Kursfeuerwerk gegeben, und trotz aller Rückschläge kann sich die Performance der wichtigsten Börsen seit Jahresbeginn sehen lassen: Der DAX ebenso zweistellig im Plus wie die NYSE, die Technologiebörse Nasdaq sogar um stolze 40 Prozent über dem Wert vom Jahresbeginn.

Trotzdem mehren sich die warnenden Stimmen. Denn weder die Konjunktur noch die Unternehmensgewinne rechtfertigen derartige Anstiege. Es ist also, wie an der Börse üblich, bereits ein erkleckliches Maß an Zukunftserwartung "eingepreist".

Entwickelt sich die Wirtschaft so positiv, wie die Börsianer offenbar meinen, dann ist das kein Problem. Gibt es konjunkturelle Rückschläge, die sich auf die Gewinne der großen börsenotierten Unternehmen auswirken, dann haben wir allerdings die nächste Kursblase - wenn auch eine mikroskopisch kleine im Verhältnis zu der, die um die Jahrtausendwende geplatzt ist.

Wie es jetzt weitergeht, wird also ganz wesentlich von der kommenden Berichtssaison für das dritte Quartal abhängen - und von der Entwicklung des Euro. Gibt es Enttäuschungen bei den Quartalsergebnissen und sackt der Dollar - wie erwartet - gegenüber dem Euro ab, dann wird es für die Kurse auf der derzeitigen Höhe ziemlich eng.

Bisher gibt es zwar einzelne warnende Hinweise, aber noch keine wirklichen Alarmzeichen: Die Zahl der kursstürzenden Gewinnwarnungen ist zuletzt stark zurückgegangen, was auf eine relativ gesunde Entwicklung hinweist. Und dem Dollar wird gegenüber dem Euro zwar mittelfristig ein Absturz prophezeit, kurzfristig wird der Greenback aber wohl nicht so stark sinken, dass die großen europäischen Exporteure ernsthaft ins Schwimmen kommen.

Trotzdem: Vorsicht ist angesagt. Besonders bei jenen Unternehmen, die relativ viel Geschäft im Dollarraum machen. Und das sind unter anderem europäische Technologie- und Autowerte. Merrill Lynch etwa hat die Empfehlung für diese beiden Branchen in der abgelaufenen Woche bereits von "übergewichten" auf "untergewichten" zurückgenommen. Die Experten meinen, dass ein starker Euro und eine schwache Konjunktur im Euroraum einen ziemlichen explosiven Mix für die Gewinne dieser Unternehmen darstellen könnte.

Allerdings: Auf die Gewinnsituation im (bereits beendeten) dritten Quartal wird das keine Auswirkungen mehr haben. Ob es da wunschgemäß gelaufen ist, wird man bald sehen: Die europäische Berichtssaison wird am 16. Oktober von SAP eröffnet.

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