Feuer frei auf "fette Katzen"

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atürlich liegt es auch am konjunktu rellen Umfeld, dass die Börsen nach dem Crash der vergangenen Jahre nicht so in Schwung kommen, wie sie sollten. Ein nicht geringer Teil entfällt aber auch auf das, was die Börsianer "Vertrauenskrise" nennen: Eine Welle von Bilanzfälschungen und Vorstandschefs, die Milliardenwerte ihrer Aktionäre vernichten - und sich dann selbst bei allergrößter Erfolglosigkeit mehrstellige Millionen-Erfolgsprämien und Abfertigungen genehmigen.

Die Bilanzfälschungsaffären sind - nach dem gestrigen 500-Millionen-Dollar-Vergleich zwischen WorldCom und der SEC - beinahe schon bereinigt, das Problem der "Raffkes" in den Vorstandsetagen noch lange nicht.

Aufgebracht sind nicht nur Aktionäre: In Deutschland, wo Industriellenpräsident Michael Rogowski neulich öffentlich die "Raffgier" der Vorstandschef großer Konzerne gegeißelt hat, ist eine Diskussion über die gesetzliche "Deckelung" von Vorstandsgehältern und Aufsichtsratstantiemen in Gang gekommen. In Großbritannien will die Regierung die Abfertigungen von Managern ("golden handshake") auf sechs Monatsgehälter begrenzen. In Holland, wo Konzerne wie Fokker, Baan, Ahold UPC und so weiter ihren Aktionären Total- oder Beinahe-Totalverluste bescherten, während die Firmenchefs, die die Unternehmen an die Wand gefahren hatten, mit Millionenabfertigungen abrauschten, regt sich organisierter Aktionärsunmut. Das Missverhältnis ist auch zu augenscheinlich: Der britische "Independent" veröffentlichte am Dienstag ein Ranking der britischen "fat cats", die das Aktionärsgrollen verständlich macht. Einige Auszüge: Sir Peter Bonfield, British Telekom, hat seinen Aktionären während seiner Amtszeit 71,4 Prozent Kursverlust beschert - und ist dafür mit einem "golden handshalke" von 3,1 Mill. Pfund (4,34 Mill. Euro) hinausgeworfen worden. Sir Christopher Gent von Vodafone wurde dafür, dass er seine Aktionäre um 54,5 Prozent ärmer machte, mit 3,78 Mill. Pfund Abfindung belohnt, der im Ranking an 10. Stelle liegende Reuters-Chef Tom Glocer würde immerhin knapp 1,9 Mill. Pfund mit auf den Weg bekommen, falls man ihn für den 84,7prozentigen Verlust seiner Aktionäre mit dem "goldenen Handschlag" belohnt.

Staatliche "Deckelungen" sind in einer Marktwirtschaft freilich der falsche Weg, um die "fat cats" in den Vorstandsetagen wieder zur Besinnung zu bringen. Den richtigen haben jetzt erstmals die Aktionäre des britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (siehe unten stehenden Bericht) gewiesen: Indem sie gegen überzogene Ansprüche in der Hauptversammlung zu Felde zogen.

Dieses Beispiel sollte Schule machen. Schließlich stehen eine Reihe ähnlicher Probleme nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch in den USA, in Holland und in Deutschland an. Ausgehen muss das freilich von den Großanlegern, im wesentlichen also von den (unter Misswirtschaft ebenso wie Kleinanleger leidenden) Fonds. Denn nur sie haben, wie GlaxoSmithKline gezeigt hat, die Macht, sich auch durchzusetzen.

Wenn die Fondsmanager auf die Einhaltung der allenthalben vorhandenen, aber (auch in Österreich) weitgehend ignorierten Corporate Governance Kodizes drängen würden, dann entstünde der richtige Druck, um außer Rand und Band geratene CEO's wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Und damit auch das Vertrauen in die Aktie als seriöses Anlageinstrument wieder herzustellen.

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