Die ÖIAG macht mit der Wandelanleihe auf Telekom-Aktien vorerst nur sich selbst glücklich.
Unverbesserliche Opti misten, die auch nach der lapidaren Abfuhr der ÖIAG vom 10. Juli - es gebe keine konkreten Verhandlungen, keinen ernsthaften Käufer für die Telekom Austria (TA) - geglaubt hatten, die Swisscom würde noch am Ball bleiben, müssen spätestens jetzt das Ende der "Emmentaler-Connection" zur Kenntnis nehmen. Nur zwei Wochen nach dem Grundsatzbeschluss im Privatisierungsausschuss und Aufsichtsrat (die "Presse" berichtete) startet die ÖIAG den Verkauf einer auf 25 Mill. Aktien der Telekom Austria (TA) wandelbaren Anleihe im Volumen von 300 Mill. Euro mit einer Laufzeit bis 2006. Inklusive Mehrzuteilungsoption (Green-shoe) erhöht sich das Volumen auf 325 Mill. Euro.
"Das ist das Begräbnis erster Klasse für die Swisscom und jeden anderen strategischen Investor - so es überhaupt einen gegeben hätte", heißt es Finanzmarkt-Kreisen. Die ÖIAG, die noch 47,2 Prozent an der TA hält, gibt nun offenbar der Alternativstrategie einer weiteren Privatisierung über den Kapitalmarkt den Vorzug - eine an sich von vielen Experten goutierte Entscheidung.
Mit dem von Merrill Lynch und JP Morgan gemanagten Convertible, wie derartige Bonds genannt werden, habe man freilich nicht gerade den großen Wurf gelandet, heißt es. Das schnelle Geld, das sich die ÖIAG auf diese Weise holt - und damit genau die vom Finanzminister für 2002 und 2003 eingeforderte Dividende einspielt - ist nämlich teuer erkauft. Die Anleihe, mit der die ÖIAG fünf Prozent der TA-Aktien an institutionelle Investoren verkauft, verbrieft das Recht, ab 27. September 2003 in 23,1 Mill. Aktien der TA zu wandeln, was einem Wandelkurs von 13 Euro entspricht.
2006 ist weit - aber 13 Euro sind auch weit. Denn der von Übernahmefantasie erstmals über elf Euro beflügelte TA-Kurs wurde von der ÖIAG selbst durch die Abfuhr an die Swisscom in den Keller geschickt. Und die Wandelanleihe hat den Abwärtstrend auf unter zehn Euro beschleunigt - die Deutsche Telekom verlor nach der Ankündigung eines ebensolchen Bonds auch kräftig.
"Die Luft ist raus", heißt es enttäuscht in Händlerkreisen. Wunschlos unglücklich hat die ÖIAG-Aktion freilich auch die Telecom Italia (TI), die noch 14,8 Prozent an der TA hält, und die TA selbst gemacht. Denn die Italiener wollen sich aus Österreich zurückziehen, aber sicher nicht zum Diskontpreis - angesichts des einstigen Einstiegskurses von 15,80 Euro.
Die TA sieht ihre Hoffnung auf eine Kapitalerhöhung im Zuge eines zweiten Böresgangs (Secondary Public Offering, SPO) schwinden. ÖIAG und TI haben im Juni 2002 einen Pakt geschlossen, wonach die ÖIAG von Mai bis September 2003 fünf Prozent TA-Aktien verkaufen darf. Erst nach der üblichen Sperrfrist (Lock-up) von sechs Monaten kann sie weiter verkaufen. Mit der Wandelanleihe ist dies ausgeschöpft, ein nächster größerer Börseschritt für heuer verbaut. Was bei der TA nicht gerade Begeisterung auslösen dürfte, ist sie doch mitten im Poker um die bulgarische MobilTel und will auch in Serbien und Bosnien expandieren.