Die Party dauert noch lange

Trotz aller Risken wird das Börsenjahr heuer wohl freundlich enden.

Z
um Wochenende hin hat sich zwar nicht mehr viel getan, aber insgesamt haben die Börsianer doch eine überraschend erfreuliche Woche hinter sich. Vor allem jene, die auf bestimmte Werte gesetzt haben: Zuerst ist der Softwarehersteller SAP abgefahren, dann die amerikanische Internetfirma Yahoo. Kurszuwächse um die zehn Prozent an einem Tag - das sieht man in Zeiten wie diesen sonst nur bei manipulationsanfälligen, wenig gehandelten Nebenwerten an Nebenbörsen.

Beide Kurssprünge hatten den selben Grund: Gute Nachrichten, die die Händler positiv überraschten. Dass die Börsianer auf positive Meldungen gleich mit einem wahren Kaufrausch reagieren, zeigt ganz nebenbei, dass sehr viel "ungenutztes" Geld im Markt ist, das verzweifelt Anlagemöglichkeiten sucht.

Das sind gute Voraussetzungen für ein freundliches Börsenklima. Deshalb kann man sich wahrscheinlich auf die kommenden Wochen freuen. In der kommenden Woche beginnt in Deutschland die Berichtssaison für das dritte Quartal - und was da bisher durchgesickert ist, lässt durchaus eine Reihe von positiven Überraschungen erwarten. Offenbar beginnt sich der viel beschworene (bisher aber noch nicht so recht sichtbare) Konjunkturaufschwung nun doch in den Ergebnissen der Unternehmen niederzuschlagen.

Deutsche Experten werden jetzt schon richtig "bullish" und gehen davon aus, dass der Leitindex DAX, der derzeit knapp unter 3500 Punkten notiert, bis Jahresende noch gut 200 bis 300 Punkte zulegt. Trifft das zu, dann hätten deutsche Aktien in diesem Jahr Wertzuwächse von im Schnitt 45 bis 50 Prozent erreicht. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Sack und Asche noch immer die wichtigsten Utensilien der Börsebeobachter sind. Die historischen Hochststände sind damit zwar noch immer außer Sichtweite, aber immerhin: Mit Aktien lässt sich wieder recht ordentlich Geld verdienen.

Zumindest heuer noch. Denn das Gespenst eines Dollar-Absturzes, der den Euro unmäßig verteuert, europäische Unternehmen dadurch in Ertragsprobleme bringt und sich damit wieder negativ auf die Aktienkurse schlägt, geistert immer stärker herum. Auf die Ergebniszahlen wird die Dollarschwäche/Eurostärke allerdings erst im nächsten Frühjahr niederschlagen. Kursrelevant könnte die Lage - falls der Dollar wirklich stark weiter fällt - demnach Anfang 2004 werden.

Aktienexperten gehen deshalb davon aus, dass die Kurse von Firmen aus dem Euro-Raum im kommenden Jahr eher verhalten weiter steigen werden. Aber immerhin: Sie steigen. Die Party ist also noch lange nicht zu Ende, sie könnte nach Neujahr nur an Schwung verlieren und fad werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.