Analyse: Dollar-Fall nicht zu bremsen

Russland will Öl künftig für harte Euro verkaufen. Das könnte den Greenback weiter unter Druck bringen. 1,40 Dollar pro Euro gelten nicht mehr als ausgeschlossen.

Russlands Präsident Putin hat es schon einmal ange deutet, sein stellvertretender Ministerpräsident Viktor Christenko hat es am Mittwoch mehr oder weniger bestätigt: Das Land gedenkt, die Verrechnung seiner Öl- und Gasexporte sukzessive von Dollar auf Euro umzustellen.

Das ist derzeit gut für Russland: Der Dollar ist schwach, sein Kurs wird weiter sinken, manche Experten meinen sogar drastisch.

Im Prinzip wird die Euro-Verrechnung auch von vielen europäischen Ländern befürwortet: Sie wollen stabile Energiepreise. Wenn die Russen umstellen, ist freilich in diesem Segment für die kommenden Jahre der Preisvorteil aus der Dollarschwäche dahin. Den sackt dann Russland ein.

Und zwar nicht zu knapp. denn das Land ist im internationalen Energiegeschäft nicht irgendwer, sondern der zweitwichtigste Rohöl-Exporteur der Welt nach Saudiarabien und Hüter der bei weitem größten Erdgasreserven des Globus. Eine Umstellung der Öllieferungen auf Euro, so meinen Experten, würde also die Gewichte der beiden wichtigsten Welt-Währungen deutlich verschieben und damit den Dollar unter Druck bringen.

Noch mehr unter Druck bringen, muss es richtig heißen, denn gut geht es der amerikanischen Währung ohnehin nicht. Das enorme Leistungsbilanzdefizit der USA drückt auf den Greenback - und es gibt nur zwei Wege, diesen Druck zu verringern: Entweder die Handelspartner der Amerikaner erleben einen Boom und saugen US-Waren regelrecht auf. Oder der Dollarkurs sinkt so weit, dass die US-Exporteure einen echten Preisvorteil in Japan und Europa herausholen können.

Experten tippen auf letzteres: Zwei von ihnen, die Chefvolkswirte Rolf Schneider von der Dresdner Bank und David Wyss von Standard & Poor's sind am Mittwoch unabhängig voneinander zu einem deckungsgleichen Schluss gekommen: Der Kurs werde bis Mitte kommenden Jahres auf bis zu 1,4 Dollar je Euro fallen und dann einige Jahre auf diesem Niveau bleiben. Japaner werden für den Greenback dann nur noch 80 Yen hinlegen müssen. Heuer ist der Dollar gegenüber dem Euro um 10,4 und gegenüber dem Yen um 8,2 Prozent gefallen. Ein Euro ist derzeit knapp 1,17 Dollar wert, Japaner bezahlen für einen Dollar knapp 110 Yen.

Das alles ist ein Horrorszenario für die europäischen Exporteure (wenngleich es derartige Kurse gegenüber europäischen Währungen in den neunziger Jahren schon gegeben hat). Ein Szenario, das zumindest so lange anhalten wird, bis die Amerikaner ihre aus den Fugen geratene Leistungsbilanz wieder im Griff haben. Derzeit müssen die Amerikaner nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg täglich 1,5 Mrd. Dollar an ausländischem Kapital ins Land holen, um das Loch in der Leistungsbilanz zu füllen. Die ist nämlich bereits mit 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Minus. Wenn es den Amerikanern gelingt, die Lücke mit Hilfe des Wechselkurses zu verkleinern, dann haben sie gute Karten für ihre Konjunktur. Und die Europäer schlechte.

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