Beim Voest-Verkauf wäre ein höherer Preis nicht erzielbar gewesen, wohl aber der Verkauf von mehr Anteilen über Aktien.
Ein Preis über 32,50 Euro hätte die Anleger verärgert
Wien. Der zweite Börsegang (Secondary Public Offering, SPO) der Voestalpine war mehr als dreifach überzeichnet. Kritiker meinen nun, der Preis wäre zu niedrig gewesen, oder man hätte mehr Anteile an Private verkaufen können. Oder aber, die Umtauschanleihe (15 Prozent des Kapitals) hätte kleiner ausfallen können.
Börsespezialisten werten die dreifache Überzeichnung tatsächlich als Indiz dafür, dass man ruhig mehr Anteile über Aktien und weniger Anteile über die Umtauschanleihe verkaufen hätte können. Allerdings sei eine zwei- bis dreifache Überzeichnung bei Börsegängen generell ein Zielwert, damit sich Emissionsbanken (JP Morgan, Erste Bank) die "guten Kunden" aussuchen können.
Eine Fondsgesellschaft, die typischerweise langfristig investiert sowie gelegentlich kauft und verkauft, wird etwa einem Broker - der die Papiere oft schon am nächsten Tag verkauft - vorgezogen. Aber auch Investoren, die bloß auf den Aktien sitzen und sie nicht mehr hergeben, sind nicht erwünscht. Das bekam die zum Land Oberösterreich gehörenden Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) zu spüren, die 15 Prozent der Aktien mit dem Limit "Bestens" - also zu jedem geforderten Kurs - geordert hatte. Sie wollte also fast das gesamte zum Verkauf stehende Paket - insgesamt wurden 19,7 Prozent der Voest-Aktien platziert - erwerben und bekam dann doch keine einzige Aktie.
Auf den Preis selbst hatte die Überzeichnung kaum einen Einfluss. Bei der Preisbildung spielen mehrere Faktoren, wie der aktuelle Kurs der Voest-Aktie oder das Börseumfeld eine Rolle. Ein gewichtiger Faktor waren auch die Limits, bis zu denen die Investoren zum Kauf der Voest-Aktie bereit waren. Die Aktie pendelte in der vergangenen Woche zwischen 32 und 33 Euro. Üblicherweise erwarten Anleger bei SPOs einen Abschlag von fünf Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Demnach hätte der Kurs zwischen 30,4 und 31,25 Euro liegen müssen. Verkauft wurde die Voestalpine allerdings zu 32,50.
Es kam also nicht zu dem üblichen Kursabschlag, was sicherlich ein Erfolg für die Emissionsbanken darstellt. Sie haben den höchstmöglichen Kurs erzielt. Denn einen höheren Kurs als den aktuellen zu verlangen, wäre unverschämt. Damit hätte man die Investoren verärgert, da die Voest-Aktie bei ihnen in diesem Fall gleich vom ersten Tag an mit Verlusten in den Büchern gestanden wäre.
Bei der Errechnung ihres Erlöses hat sich die Staatsholding ÖIAG übrigens schwer getan, sie hat den Preis zunächst mit 253 Mill. Euro beziffert - um sechs Mill. Euro zu hoch, da sie auf den Sonderrabatt für die Mitarbeiter "vergessen" hatte.