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at jemand ernstlich da ran geglaubt, dass die US- und britischen Truppenverbände ohne Widerstand nach Bagdad spazieren? Die Hoffnungen auf einen kurzen Krieg sind am Montag in Form von Kursverlusten dahingeschmolzen. Die nunmehrige Unsicherheit führte zu Gewinnmitnahmen an den Börsen - kein Wunder nach den enormen Kursgewinnen der vergangenen Woche. Staatsanleihen und der Euro konnten von der neuerlichen Unsicherheit profitieren.
Nun sind starke Tagesschwankungen - der deutsche Leitindex Dax verlor am Montag rund fünf Prozent, der Dow Jones lag knapp drei Prozent im Minus -, je nachdem, ob es gute oder schlechte Nachrichten gibt, in Kriegszeiten immer zu erwarten. Aber vielleicht kommt es auch zu einem Umdenken in der Einschätzung dieses Kriegs.
Die Investmentbank JP Morgan Fleming spricht in einer erst kürzlich erschienen Analyse von drei möglichen Szenarien für den Irak-Krieg. Szenario I geht von einem Zusammenbruch des Irak in vier bis sechs Wochen aus. Da alles so schnell geht, gibt es kaum Auswirkungen auf die westlichen Volkswirtschaften und der Krieg wird mit Kosten von rund 35 Mrd. Dollar in den nächsten zwei Jahren relativ "billig". Bis zum Wochenende gingen die Börsen von dieser Entwicklung aus.
Mit dem Kriegsverlauf von Sonntag und Montag sind die Märkte wohl eher zu der Überzeugung gelangt, dass der Krieg trotz militärischer Überlegenheit kein Spaziergang wird. Vielleicht gilt von nun an Szenario II: Dieses geht von einem sechswöchigen bis dreimonatigen Krieg aus, weil es zu unerwartet heftigem Widerstand kommt. Negative Medienberichte belasten die Börsen. Die Wirtschaft würde leicht leiden.
Richtig dramatisch wird es erst ab dem Horrorszenario III, das von einem drei- bis sechsmonatigen Kriegsverlauf ausgeht. Vor allem in den Städten kommt es zu schweren Häuserkämpfen mit vielen Verlusten auf beiden Seiten, viele Ölquellen werden in Brand gesteckt. Es kommt zum Ölschock, der das Wirtschaftswachstum zerstört und die Börsen hinab reißt. Erholung erst ab 2004. Dieses Szenario ist aus derzeitiger Sicht allerdings extrem unwahrscheinlich.
Ein Umdenken zum jetzigen Zeitpunkt wäre gar nicht so schlecht - zuviel Optimismus ist auch schädlich für die Märkte.