2003 haben indische Aktien deutlich zugelegt. Auch 2004 sollte es vor allem mit Konsumgütern, Pharmawerten und IT-Aktien weiter nach oben gehen.
WIEN (mk/bloomberg). Jetzt, gegen Jahresende, wenn man die Kursentwicklungen an den Börsen der Welt retrospektiv betrachtet, ist es klar: In Indien hätte man investieren müssen! Zum Beispiel in den Kapitalgüter-Index, der Börse Bombay, der auf Euro-Basis seit Jahresbeginn 116 Prozent zugelegt hat. Auch der indische Konsumgüter- und der Gesundheits-Index fallen mit einem währungsbereinigten Plus von knapp 70 Prozent positiv auf.
Indien gerät zunehmend ins Visier ausländischer Investoren, weil die Wirtschaft expandiert und sich das Land ausländischen Geldgebern zunehmend öffnet. Die Regierung in Neu-Delhi hat für das Haushaltsjahr bis Ende März 2004 ein Wachstum von über sieben Prozent vorausgesagt. Wahrscheinlich im Dezember noch wird der indische Gesetzgeber über eine weitere Liberalisierung des Bankensektors abstimmen. Gesetzesvorschlägen zufolge soll der Anteil, den ausländische Investoren an Banken im Privatbesitz haben dürften, von aktuell 49 auf 74 Prozent angehoben werden. "Kleine, nicht-staatliche Kreditbanken mit einer breiten Präsenz zu übernehmen, macht für ausländische Finanzdienstleister durchaus Sinn", sagt R.K. Gupta, Fondsmanager bei CreditCapital Asset Management in Neu-Delhi. Er hält in seinem Portfolio Aktien von Centurion Bank, die sich seit Monatsbeginn um 31 Prozent verteuerten. In den Aktienkursen der privat geführten Banken sei aber bereits jetzt die Hoffnung eingepreist, dass es weiterer Einstiege ausländischer Banken geben werde, sagt Jaspal Bindra, Leiter für Unternehmenskunden bei Standard Chartered.
Dennoch gelten indische Aktien bei Investmentbankern als heißer Tipp. In Asien seien im Jahr 2004 zwischen 15 und 25 Prozent Gewinn zu erwarten, schreiben Investmentbanker von Goldman Sachs in einem Strategiebericht. Die Investmentbank rät in einem Portfolio mit asiatischen Werten, die Märkte in Thailand, Taiwan, Malaysia und Indonesien überzugewichten. Als neutral werden die Börsen in Südkorea, China, Indien, Singapur und Hongkong eingestuft. J.P. Morgan glaubt ebenfalls, dass das Wachstum in Asien besser ausfallen wird als in anderen Regionen.
Für Indien im Speziellen spreche, dass das Land wenig exportabhängig ist, die Börse daher kaum mit den Indizes in den USA und Europa korreliert. Konsumgüter, Pharma und Informationstechnologie gelten als die Branchen, von denen sich die Experten am meisten versprechen.