SARS: Ein Virus kostet Milliarden

Asien verliert Wachstum, Chinas Börsen überlegen Schließung, Airlines streichen Fernost-Flüge.

PEKING/TOKIO (red./a.k.). In weiten Teilen Asiens erschüttert die tödliche Lungenkrankheit Sars zunehmend die Volkswirtschaften der betroffenen Länder. Mit den menschlichen Tragödien ist von Peking über Hongkong, Singapur bis nach Tokio eine "Krise der Angst" ausgebrochen, wie Singapurs Ministerpräsident Goh Chok Tong den Schockzustand in der Region beschreibt.

Er fürchtet sogar: "Sars kann die Wirtschaft killen." Betroffen sind nun auch die Finanzmärkte: Japanische Anleger verkauften am Montag etwa massiv Yen gegen Euro, der auf einem Vier-Jahres-Hoch schloß.

Noch in dieser Woche könnte der Aktienhandel in der derzeit dynamischsten Wirtschaftsregion des Globus, China, zum Stillstand kommen: China überlegt, die Börsen von Shanghai und Shenzen vorerst einmal von 1. bis 18. Mai zu schließen. Dies sei eine von mehreren Präventivmaßnahmen, die die Ausbreitung der Seuche behindern sollen, hieß es. Die Besuchergalerien der beiden Börsen sind normalerweise prall mit Schaulustigen gefüllt - eine ideale Ausbreitungsmöglichkeit.

Die asiatische Entwicklungsbank (ADB) schätzte in einem am Montag in Tokio veröffentlichten Bericht, die Epidemie koste Asiens Schwellenländer in diesem Jahr insgesamt zwischen 0,1 und 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum. Vor allem in den Sars-Zentren werde die Epidemie schmerzhafte Wunden hinterlassen. Hongkongs ökonomischer Zuwachs könnte um 0,6 Prozent fallen, China verliert 0,2 und Singapur 0,7 Prozent. Die Berechnungen gehen allerdings von der optimistischen Annahme aus, dass die Auswirkungen der tödlichen Lungenkrankheit nur noch bis Mitte Mai zu spüren sind. Sollte die Epidemie länger wüten, könnten die Einbußen bis zu einem Prozentpunkt betragen.

"Es ist die Angst vor dem Unbekannten und die große Unsicherheit, die manchen Volkswirtschafen in Ost- und Südostasien übel mitspielt", sagte ADB-Chefökonom Ifsal Ali. Falls Sars die Arbeitskräfte in den betroffenen Ländern spürbar schwächt, würden über die bisher hauptsächlich geschädigten Branchen hinaus auch Industrieproduktion und Export in Mitleidenschaft gezogen. In der ADB-Prognose nicht erfasst sind die fernöstlichen Industriestaaten Japan und Südkorea.

Derzeit leiden nach einhelliger Expertenmeinung in erster Linie Handel, Touristik- und Dienstleistungsbranche unter Sars. Und zwar nicht nur in Fernost: Europäische Fluggesellschaften streichen derzeit massiv Verbindungen nach China. Am Montag hat etwa die AUA bekannt gegeben, dass sie ihren Peking-Flug Anfang Mai vorerst einmal für zwei Monate einstellt.

Nach Einschätzung von Volkswirten drohen dem Einzelhandel in China im laufenden Jahr Umsatzeinbußen von zwei Prozent. Bisher habe China für diesen Wirtschaftszweig mit einem Umsatzplus von zehn Prozent gerechnet. Große Finanzhäuser wie Citigroup, J.P. Morgan und Credit Suisse First Boston stuften ihre Prognosen für Asiens einzige Wirtschaftslokomotive China im laufenden Quartal schon um einen ganzen Prozentpunkt von 7,4 auf 6,4 Prozent zurück.

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