London: Übertriebener Börse-Pessimismus

Die Londoner Börse hat Nachholbedarf. Nirgendwo fiel die Erholung der Börsenkurs so gering aus.

London. Die Entwicklung verläuft zwar noch stotternd: An der Londoner Börse beginnen die Kurse aber wieder zu steigen, zum Teil sogar kräftig. Schon seit längerem übergewichten Analysten britische Aktien in ihren internationalen Portefeuilles - wegen des vergleichsweise hohen Wachstums der Inselwirtschaft. Das Gros der Anleger wollte dabei aber offenbar noch nicht mitmachen.

"Die Unternehmensgewinne zeigen die ersten Anzeichen einer Erholung", titelte die "Financial Times" Ende vergangener Woche. Gerade hatte der FTSE-Index 100 führender Werte mit 4157 Punkten den höchsten Stand seit sechs Wochen erreicht. Im Vergleich zu den Kursentwicklungen an einer Reihe von anderen europäischen Börsen besteht damit aber weiterhin Nachholbedarf an der Themse.

Seit Jahresbeginn haben britische Aktien bisher nur um fünf Prozent zugelegt. Anderswo fielen die Kurssteigerungen weitaus höher aus. Selbst die kaum vor Optimismus strotzende Wall Street brachte es auf zehn Prozent, die Kurse an der Nasdaq sogar auf knapp 30 Prozent.

"Der Ausblick für britische Aktien und die Unternehmensgewinne ist ermutigend", meint David Rickland von den Vermögensverwaltern Britannic Asset Management. Der Kurs von ICI, dem Chemiekonzern, machte vergangenen Donnerstag einen Satz von 22 Prozent. Das einstige "Barometer" der Inselwirtschaft hatte ein besseres Ergebnis vorgelegt, als die Analysten erwartet hatten. Die Großbank HBOS erfreute mit einem Gewinnanstieg von 24 Prozent in der ersten Jahreshälfte, Triebwerkshersteller Rolls-Royce überraschte mit einem 11-prozentigen Plus.

"Selbst wenn sich bei manchen Unternehmen noch keine größeren Umsatzsteigerungen einstellen sollten, werden die meisten ebenfalls Dank resoluter Kostensenkungen bessere Ergebnisse vorlegen," meint auch Nigel Cobby, Chef der europäischen Aktienanlage bei J.P. Morgan.

Sacha Sadan von den Fondsmanagern Gartmore fällt auf, dass schon seit einiger Zeit ausgerechnet jene Konzerne an der Börse glänzen, die wegen ihrer hohen Pensionsdefizite bis März, als der FTSE-100 auf ein Achtjahrestief absackte, die höchsten Kursverluste erlitten hatten. Dazu gehörten Rolls-Royce, Royal & Sun Alliance, British Airways, Getränkehersteller Allied Domecq, die Brauereien Whitbread und Scottish & Newcastle und die BT-Gruppe.

"Der Markt sagt uns jetzt, dass wir den Pessimismus bei diesen Unternehmen übertrieben haben," sagt Robert Talbut, Chef-Investor bei der ISIS Asset Management. Viele der Kurse hätten sich seit März um 30 bis 40 Prozent erholt, im Fall von Rolls-Royce und der Royal & Sun Alliance mehr als verdoppelt.

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