Weder in Europa noch an den US-Börsen kam es am Freitag nach dem großen Stromausfall zu Panikverkäufen. Einzig Energieversorger mussten Kursverluste hinnehmen.
Wien/New York (red, ag). Die US-Märkte eröffneten am Freitag wie an jedem anderen Börsentag mit dem Läuten der Glocke. Nach dem großen Stromausfall nach Börseschluss am Donnerstag, kam die Ehre des Glockenläutens am Freitag New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg zu. Das Handelsgeschehen war sehr ruhig, meinten Marktbeobachter. Das Handelsvolumen war mit 91 Mill. gehandelten Aktien in den ersten 40 Minuten um knapp die Hälfte geringer als am Freitag der Vorwoche.
Auch die Anzahl der Händler am Börsenparkett war geringer als sonst. Bei JP Morgan Chase kamen nur rund 40 Prozent der Händler zur Arbeit. Allerdings seien einige gleich im Büro geblieben wie Geoff Sherry, ein Händler für Unternehmensanleihen bei JP Morgan berichtet: "Ich kam gegen sechs Uhr morgens in den Handelsraum und rund sieben meiner Kollegen schliefen unter ihren Tischen."
Der Dow Jones lag im frühen Handel leicht im Plus, während der Technologieindex Nasdaq leicht im Minus lag. Am Freitag veröffentlichte US-Konjunkturdaten brachten keine Enttäuschungen. Der Empire State Index lag zwar unter den Erwartungen, jedoch ist dieser Indikator sehr volatil. Die Industrieproduktion in den USA konnte jedoch unerwartet kräftig anziehen. Die Erzeugung stieg verglichen mit dem Vormonat um 0,5 Prozent, Analysten erwarteten ein Plus von 0,2 Prozent.
Der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan für August wird wegen des Stromausfalls im Nordosten der USA nicht wie geplant am Freitag, sondern erst am Dienstag veröffentlicht, da "die Universität komplett geschlossen ist", hieß es. Titel, die im Kraftwerksgeschäft wie General Electric tätig sind, konnten Gewinne verbuchen, da die Modernisierung des Stromnetzes Aufträge mit sich bringen könnte.
In Europa bezeichneten Marktteilnehmer den Stromausfall in weiten Teilen der USA als "non event", da dieser kaum Einfluss auf die Märkte hatte. An den europäischen Börsen herrsche am Freitag vielmehr die typische "Freitagsunlust" nach einer anstrengenden Woche, die durch die zahlreichen Gewinnausweise der Unternehmen geprägt wurde. Europäische Werte wie Versicherungen waren von dem Stromausfall kaum betroffen. Der deutsche Dax wurde allerdings von Gewinnmitnahmen nach der guten Entwicklung der vergangenen Tage etwas ins Minus gedrückt.
Der Dollar gab gegenüber dem Euro etwas nach, was den Automobil- und Chemiewerten in Deutschland zu Kursgewinnen verhalf. Der Ölpreis legte knapp einen Dollar auf rund 30 Dollar zu.
Das Handelsvolumen war aber wie in den USA gering. "Heute fallen wegen des Feiertages ganz Süddeutschland und Teile Europas als Marktteilnehmer weg", erklärte etwa ein Frankfurter Händler die dünnen Umsätze. Die Börsen in Italien, Österreich, Spanien und Polen blieben am Freitag feiertagsbedingt geschlossen. Der Wiener ATX ging daher bereits am Donnerstag mit einem kleinen Plus von 0,6 Prozent ins Wochenende. Größte Kursgewinner waren RHI, VA Tech und Voestalpine, die jeweils mehr als vier Prozent im Wochenverlauf dazugewinnen konnten. Größte Verlierer waren EVN mit einem Minus von 3,5 und die Aktien der AUA mit einem Minus von 4,8 Prozent.