Ein breites Österreich-Konsortium soll die Voestalpine übernehmen - und nach ein paar Jahren wieder an die Börse bringen, meint der Industrielle Hannes Androsch.
Wien. Der Privatisierungsauftrag des Finanzministers für die Voestalpine verpflichtet die ÖIAG, den 34,7-prozentigen Staatsanteil am Stahlkonzern entweder direkt an österreichische Finanzinvestoren oder über die Börse zu verkaufen. Nach den Vorstellungen des Industriellen Hannes Androsch (Salinen, AT&S, FACC) könnte man beides miteinander verknüpfen: Ein breites Österreich-Konsortium solle die Voestalpine zu 100 Prozent übernehmen (wodurch sie vom Kurszettel der Wiener Börse verschwände) - und nach drei bis fünf Jahren wieder an die Börse zurückbringen, sagte Androsch im Gespräch mit der "Presse".
Androsch betonte freilich, dass er derzeit noch kein aktiver Mitbieter um die Voest sei. Am vom oberösterreichischen RLB-Generaldirektor Ludwig Scharinger gezimmerten Österreich-Konsortium (das mittels einer Fonds-Konstruktion den 34,7-Prozent-Anteil der ÖIAG übernehmen möchte, ohne ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre legen zu müssen) sei er nicht beteiligt.
Ex-Finanzminister Androsch glaubt freilich nicht, dass diese Konstruktion "durchgeht", sein Konzept geht von einer hundertprozentigen Übernahme der Voest aus.
Dieser zwei-Mrd.-Euro-Deal sollte von einem möglichst breiten Österreich-Konsortium (in dem das Scharinger-Konsortium integriert wäre) getragen werden. Wie berichtet hat Androsch in der Vorwoche eine Lösung vorgeschlagen, bei der die Mitarbeiter, das Management, oberösterreichische Banken, Versicherungen und Fonds beteiligt wären. Jetzt ist Androsch auf der Suche nach weiteren potenten Investoren.
Beim (vom Übernahmegesetz vorgeschriebenen) Übernahmeangebot an die bestehenden Aktionäre der Voestalpine will Androsch die Kleinaktionäre nicht hinausdrängen: Diese sollten, so sie das wollen, "gebündelt" an der Voestalpine beteiligt bleiben. Nach ein paar Jahren würden ihre Anteile ohnehin wieder an der Wiener Börse notieren, denn der Plan sieht vor, den Konzern nach zwei bis fünf Jahren an die Börse zurückzubringen.
Androsch plädiert dafür, bei der Voest-Privatisierung Ruhe zu bewahren und die durch den oberösterreichischen Wahlkampf entstandene Emotionalisierung erst einmal abklingen zu lassen. Insgesamt erscheine ihm der Verkauf des Stahlkonzerns ebenso wie der geplante Rückzug aus der Telekom zwar so, als würde "ein Milchbauer seine besten Milchkühe verkaufen", aber wenn sich die Regierung entschlossen habe, zu privatisieren, dann sei das in Ordnung. Man solle nur nicht "zu jeder Zeit um jeden Preis" verkaufen.
Die Rückkehr an die Börse hält Androsch für wichtig, weil der Wiener Markt in Zeiten, "in denen die Kreditfinanzierung nicht mehr wie früher funktioniert", gestärkt werden müsse. Androsch plädiert für die Schaffung einer Mittelstandsbörse in Wien, die auf österreichische Betriebsgrößen zugeschnitten sei. Für die "großen" Börsen seien heimische Unternehmen im Schnitt zu klein. Internationale Fonds würden erst ab Emissionsgrößen von 100 Mill. Euro aufspringen, Österreich benötige aber einen Markt für Emission im Volumen von 30 bis 50 Mill. Euro. Wegen des absehbaren Ausbleibens großer internationaler Investoren müssten freilich die heimischen Banken bei der "Kurspflege" mehr Engagement zeigen, um Manipulationen zu verhindern. Derzeit kämen die Banken dieser Aufgabe nicht nach.