Euro schon wieder im Sturzflug

Konjunkturprobleme werfen den Euro zurück. Besonders geschadet haben dem Euro-Kurs in den vergangenen Tagen die Meldungen von der Defizit-Front.

Im Frühling schien nichts den Euro bremsen zu können: Der Kurs kletterte und kletterte, der Dollar sah gegenüber der neuen Währung immer älter aus. Und die Analysten prophezeiten, dass man gegen Jahresende für einen Euro zwischen 1,20 und 1,40 Dollar hinlegen werde müssen. Schön fürs Euro-Ego, schlecht für die Exportwirtschaft, die gleich in heftiges Jammern verfiel.

Man muss die armen Exporteure freilich nicht bedauern, denn seither geht es wieder steil bergab. Zuletzt war der Euro nur noch 1,08 Dollar wert, die Analysten sehen jetzt Kurse von 1,05 oder darunter voraus.

Das Phänomen ist schnell erklärt: Die USA und Japan (der Euro-Kurs zum Yen ist auch stark gefallen) weisen für das zweite Quartal 2003 schon Wachstumsraten auf, die USA mit 3,1 Prozent sogar eine ziemlich beeindruckende. Die größten Ökonomien der Eurozone - Deutschland, Frankreich und Italien - stecken dagegen noch samt und sonders in der Rezession. Die Währungsparitäten geben also ziemlich genau die Wirtschaftsentwicklung wider.

Aber nicht nur: Besonders geschadet haben dem Euro-Kurs in den vergangenen Tagen die Meldungen von der Defizit-Front: Deutschland und Frankreich werden die Kriterien des Stabilitätspakts (maximal drei Prozent Defizit) auch heuer verfehlen, und zwar deftig.

Allerdings: Beim Schulden machen ist derzeit die Regierung in Washington unschlagbar. Ginge es nur ums Defizit, müsste der Dollar unter Druck geraten, nicht der Euro.

Es geht aber weniger um nackte Verschuldungszahlen, sondern um das Vertrauen, das internationalen Investoren und Großanleger - die entscheiden letztendlich, in welche Richtung die Kurse gehen - einer Währung entgegenbringen. Und da steht es eindeutig eins zu null für den Dollar.

Es macht eben einen Unterschied, ob man das Defizit zur Konjunkturankurbelung (darunter fallen, zynisch gesagt, auch die Ausgaben für den Irak-Krieg, die für gut ein Drittel des amerikanischen BIP-Zuwachses verantwortlich waren) explodieren lässt - und die ganze Welt weiß, das die Amerikaner ihre Schuldensituation noch jedesmal zyklisch zurückgefahren haben. Oder ob man, wie in der Eurozone, ein selbstgesetztes Stabilitätsziel dramatisch verfehlt - und die ganze Finanzwelt weiß, dass weder der politische Wille noch die strukturellen Voraussetzungen da sind, das wieder in Ordnung zu bringen.

Das alles (plus die manchmal nicht ganz schlüssige Zinspolitik der EZB) drückt natürlich den Euro. Wobei ein niedrigerer Wechselkurs, der Exporte begünstigt, in einer Rezessionsphase aus volkswirtschaftlicher Sicht ja nicht unbedingt nachteilig ist.

Es zeigt aber auch, dass die EU-Länder strukturell noch einiges zu lösen haben. Denn allein kann sich die Eurozone nicht aus dem Konjunktursumpf ziehen. Sie muss das im Schlepptau der Amerikaner machen. Wobei die Situation für die Weltwirtschaft nicht ganz ungefährlich ist: Das Doppeldefizit der Amerikaner (Budget und Leistungsbilanz) ist bedrohlich angestiegen. Allein zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits brauchen die Amerikaner einen Kapitalfzufluß von zwei Mrd. Dollar - pro Tag. Solange Wall Street und Dollar boomen, ist das kein Problem. Wenn sich die Kapitalströme umdrehen kracht's - zumindest beim Dollar. Mittelfristige Kurswetten sind derzeit also keine ganz einfache Sache.

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