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ur "Geburt" des Euro, am 1. Jänner 1999, hatte die neue Währung 1,1747 Dollar "gewogen". Danach gab es noch einen kleinen Anstieg auf 1,19 - und dann ging's nur noch bergab.
Gestern, Freitag, hat die Europa-Währung nach einem 17-monatigen Anstieg um mehr als 35 Prozent den Einstandswert wieder erreicht beziehungsweise leicht überschritten. Und es gibt kein Halten: Analysten gehen davon aus, dass der Euro gegen Jahresende zumindest 1,24 Dollar kosten wird.
So schnell schießt der Euro hoch, dass jetzt sogar von den behäbigen EZB-Bankern erstmals echte Signale für die lange erwartete Zinssenkung kommen.
Denn die die inflationsdämpfende Wirkung der Euro-Stärke ist keine besonders erwünschte Erscheinung, wenn die wichtigste Volkswirtschaft der Euro-Zone in Riesenschritten auf die gefürchtete Deflation zusteuert. Am Freitag haben die Deutschen bekannt gegeben, dass ihre Inflationsrate nur noch 0,7 Prozent beträgt. Und dass die Preise gegenüber dem Vormonat insgesamt sogar gesunken sind.
All das ist pures Gift für die Börse. Tatsächlich haben die europäischen Aktienmärkte, allen voran der deutsche, die Rekordmeldungen von der Währungsfront mit einem satten Sprung nach unten quittiert. Speziell Exportwerte - die unter dem hohen Euro besonders leiden - kamen unter Druck.
"Bier sollte stark sein, eine Währung nicht notwendigerweise."
"The Economist"
Vorbei ist es also mit der Hoffnung, dass die Kursanstiege der vergangenen Wochen schon die lang ersehnte Trendwende markieren. Wenn der Euro noch stärker wird, wovon alle Experten ausgehen, dann werden die Kurse wieder in den Sinkflug übergehen.
Nicht auszuschließen, meinen Experten, dass sogar der eine oder andere Tiefststand wieder getestet wird. Selbst eine EZB-Zinssenkung - die ohnehin viel zu spät kommt und wohl auch wieder zu zögerlich ausfallen wird - kann das Börseklima höchstens vorübergehend aufhellen. Die Depression, die die Börsianer jetzt allenthalben befällt, wird wohl zumindest für die nächsten Monate zum Normalzustand werden.