US-Finanzdienstleister müssen künftig alle E-Mails zehn Jahre lang aufheben. Ein Grund für Hitachi, warum die Datenmenge explodiert.
Bregenz/Wien. Die immer stärkere Regulierung der Unternehmen lässt die Menge der gespeicherten Daten explodieren. Die Gründe für diese Regulierung sieht John Traffinder, Europa-Chef von Hitachi Data Systems (HDS), unter anderem im 11. September, dem Enron-Skandal und den zahlreichen Affären um Insiderhandel mehrere Ursachen.
In den USA müssen Finanzdienstleister künftig E-Mails zehn Jahre lang aufheben. Allein bei den 3000 HDS-Mitarbeitern fallen täglich eine Million E-Mails an. "Bei J.P. Morgan oder Goldman Sachs sind das dann unglaubliche Datenmengen", so Traffinder. Weiters sehe ein neues Gesetz vor, dass in den USA auch Wirtschaftsprüfer überprüft werden müssen, wodurch sämtliche Abläufe bis in die Unternehmen nachvollziehbar sein müssen. Und nicht zuletzt werde Basel II die Transparenz-Erfordernisse erhöhen. Denn nur mit genügend Informationen können Banken das Risiko der Unternehmen bewerten.
"Das alles bereitet der IT-Branche und den CEOs großes Kopfzerbrechen", so Traffinder. Dazu komme, dass die Terroranschläge auf die USA die Sicherheitserfordernisse und die Anforderungen an die Computersysteme extrem erhöht haben. Umgekehrt erwartet er sich für die auf Datenspeicherung spezialisierte HDS gute Geschäfte. HDS ist übrigens die gewinnbringendste Tochter des 23.000 Produkte umfassenden, momentan nicht so florierenden japanischen Hitachi-Konzerns.
Traffinder ist optimistisch: "Die Firmen investieren wieder ein bisschen in die IT" - zumindest in den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien. In Österreich, den Niederlanden und den Benelux-Staaten "ist es nach wie vor ziemlich ruhig".
Dennoch ist es Österreich-Vertriebschef Josef Dumhart gelungen innerhalb der letzten drei Jahre Marktführer im Storage-Bereich zu werden. "Viele Großbanken, Industriebetriebe aber auch immer öfter kleine Firmen übertragen uns die Speicherung ihrer Daten." Dabei gehe es um Infrastruktur und das Managen der Daten, sie müssen "gespiegelt", das heißt an einem sicheren Ort doppelt aufbewahrt werden, und der Zugriff muss einfach und von überall möglich sein. Das Schlagwort heißt "Storage Service Provider". Dabei kommen die gespeicherten Daten aus der Leitung wie Strom aus der Steckdose.
Services wie diese werden vor allem für den Privat-User immer wichtiger, meint Dumhart. "Warum soll jeder seine Fotos selbst abspeichern?" Speichermedien können kaputt gehen oder veralten - "wo kann man heute zum Beispiel noch eine Floppy-Disc abspielen?" Daher ist er sich sicher, dass diese Aufgabe bald generell von dritten übernommen wird.
Was die Sicherheit von Computernetzwerken betrifft, ortet die aktuelle Studie "IT-Security 2003" aus Deutschland allerdings noch immer einen Spar-Trend. Trotz der zunehmenden Bedrohung der Systeme durch Viren, Würmer und Hacker bleiben die Sicherheitsbudgets der Unternehmen gleich oder werden sogar noch etwas zurückgenommen, heißt es.