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Dann blieb nur noch der eigene Rücktritt

Die AHS-Lehrergewerkschaft beschloss einen weiteren Streiktag - trotz Turbulenzen in der Funktionärsspitze.

WIEN. Die AHS-Lehrer wollen Ende Mai/Anfang Juni einen weiteren Tag streiken. Mit diesem Beschluss setzte am Donnerstag Abend die ÖGB-Bundessektion der AHS-Lehrer zumindest nach außen die Linie des wenige Stunden vor dieser Sitzung zurückgetretenen Vorsitzenden Helmut Jantschitsch fort.

Jantschitsch hat eine kämpferische Linie vertreten. Die AHS-Lehrer ließen am 9. April (vierstündige Dienstversammlungen) und am Streiktag 6. Mai den Unterricht entfallen. Der Bundessektionsvorsitzende fiel aber auch durch harte, zum Teil persönliche Attacken gegen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer auf. Zuletzt verscherzte er es sich aber mit den eigenen Mitgliedern. Die von Ministerin Gehrer angekündigte Kürzung der Unterrichtsstunden könne man dadurch kompensieren, dass man einige Tage der Oster-und Pfingstferien sowie eine Sommerferienwoche streicht. Einen ähnlichen Vorschlag hatte schon BHS-Gewerkschafter Helmut Skala (Streichung der fünf schulautonomen Tage) geäußert.

Auf das Büro der AHS-Bundessektion hagelten Proteste. "Er hat sich etwas zu weit vorgewagt", sagt der stellvertretende (und zur Zeit geschäftsführende) Vorsitzende Azevedo Weißmann. Jantschitsch selbst beklagt die fehlende Unterstützung seiner eigenen VP-Fraktion, die mit elf von 17 Mandaten die Bundessektion dominiert. Jantschitsch hatte auch überlegt, dass die AHS-Lehrer am kommenden Dienstag - wenn nun die Lehrer an Pflichtschulen und an berufsbildenden Schulen streiken - ebenfalls den Unterricht absagen. Das wollten zahlreiche Kollegen nicht, zumindest nicht jetzt in der Zeit der Schularbeiten. Deshalb beschloss man einen Streiktag in drei oder vier Wochen.

Da einige Volksschulen die Eltern via Mitteilungsheft benachrichtigten, dass nächsten Dienstag die Schulen geschlossen sind, reagierte Gehrer prompt: Sie teilte den Schulen mit, dass die Aussperrung der Schüler rechtswidrig ist. Der Direktor sei verpflichtet, so Gehrer, dass die Schüler in der Schule beaufsichtigt werden. Die Ministerin: "Die Dienstpflicht der Lehrerinnen und Lehrer ist es, die Kinder zu unterrichten und zu beaufsichtigen." Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Walter Riegler wertet diesen Brief als "Störversuch". Sollte es deswegen beim Streik "Ausfälle" geben, werde man noch einmal streiken.

Auch an den BHS dürfte der Streikaufruf nicht lückenlos befolgt werden. Die HTL Wien-Spengergasse hat die Stundenkürzung im Schulgemeinschaftsausschuss autonom - ohne Vorgabe des Ministeriums - vorgenommen. Wird dann dennoch gestreikt? "Grundsätzlich haben wir keinen Streik", sagt Direktor Wolfgang Hickel, der freilich weiß, dass "draußen ein diesbezüglicher Zettel der Gewerkschaft hängt". Er rechne mit einer normalen Dienstpflicht. "Wenn die Schüler an diesem Tag lohnende Stunden auch wollen, dann gehe ich von der Eigenverantwortung der Lehrer aus: dass sie den Unterricht halten." Und wenn die Lehrer einen "anderen" Unterricht wollen, dann sollten sie diesen "Politische Bildung" widmen. "Dann ist es sinnvoll, wenn sie über den Sozialstaat, Pensionen und Umlagesystem reden."