Gorbach: Blaue Lampe statt roter Laterne?

Ist Vizekanzler Gorbach ein ernsthafter Konkurrent für Bundeskanzler Schüssel oder nur ein weiterer in der Reihe der FP-Vizekanzler?

WIEN. Die Ausgangsposition für Hubert Gorbach war denkbar einfach: Schlechter geht's nicht mehr. Denn bei seinem Antritt als Vizekanzler vor knapp vier Wochen war nicht nur die Situation der FPÖ verheerend (was sich seither auch nicht geändert hat), sondern auch die Fußstapfen nicht eben riesig, die sein Vorgänger als Vizekanzler, Herbert Haupt, hinterlassen hatte. Dem entsprechend gering waren die Erwartungen an den Vizekanzler Nummer drei in nur drei schwarz-blauen Jahren.

Doch Gorbachs Auftritt im Nationalrat am Mittwoch bei der ÖBB-Debatte wurde von Parlamentariern und Beobachtern gleichermaßen erstaunt registriert: Gorbach war schlagfertig, reagierte souverän auf eine Taferl-Aktion der SPÖ und sparte auch nicht mit Selbstironie: "Die rote Lampe macht mich eines Tages noch fertig, wenn die immer so schnell leuchtet", kommentierte Gorbach, der in den ersten Wochen schon wegen seiner Vielrednerei kritisiert wurde, jenes Signal, das das Ende der Redezeit anzeigt.

SP-Klubchef Josef Cap sieht mit Gorbach nun gar einen ernsten Konkurrenten für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel heranwachsen: "Gorbach deckt all jene Defizite ab, die Schüssel hat." Dort wo dem VP-Chef zu viel Arroganz und Härte nachgesagt werde, agiere Gorbach, der inhaltlich keinen Deut nachgebe, mit Wärme und Selbstironie. Cap rechnet damit, dass Gorbach der ÖVP Stimmen aus dem bürgerlichen Lager wegnehmen könnte.

Bei den Grünen kann man den positiven Eindruck über den neuen FP-Frontmann nur sehr bedingt teilen: "Nur weil ein FP-Minister einen geraden Satz herausbringt, kann man nicht gleich von einer guten Vorstellung sprechen", heißt es. Gorbach neige, wie sein Vorgänger Haupt, zu Sprechblasen und Gemeinplätzen. Es sei keine Kunst, nach Haupt und Riess-Passer gut auszuschauen.

In der ÖVP sieht man die Performance von Gorbach mit gemischten Gefühlen. Einerseits habe Gorbach der FPÖ wieder neues Leben eingehaucht und nach außen hin sei eine professionellere Präsentation der Regierungsarbeit möglich. Andererseits könnte eine selbstbewusstere FPÖ der ÖVP wieder Stimmen wegnehmen. Solange diese aber nur innerhalb der Koalition verschoben werden, sei dies allerdings verkraftbar.

Ob Gorbach 2004 Haupt auch als FP-Chef nachfolgen wird, gilt in der FPÖ derzeit noch als offen. Zwar wird Gorbach bei Auftritten der drei FP-Spitzen - also mit Haupt und Ursula Haubner - zunehmend nach vorne gestellt und gibt Auskunft, was auch von jenen Medien forciert wird, die auf verwertbare Originalzitate angewiesen sind. Doch gilt die Skepsis Jörg Haiders in Bezug auf Gorbach und dessen fehlende FP-Hausmacht weiter als schweres Handicap.

An einer Front gibt es für Gorbach nichts zu gewinnen: "Danke, Herr Vizekanzler, ich kann Ihnen allerdings keine blaue Lampe versprechen", meinte der Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer Mittwoch nach der Rede Gorbachs.


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