Experten rechnen langfristig nicht mit einer hohen Arbeitslosigkeit Älterer.
WIEN. In den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosigkeit von Frauen über 55 und Männern über 60 deutlich angestiegen (siehe Grafik). Zwei Aspekte stechen hervor bei der Altersarbeitslosigkeit: Zum einen kommt es viel seltener zu einer Kündigung als bei Jüngeren. Das liegt vor allem im Arbeitsrecht begründet. Werden Arbeitsgerichte angerufen, lehnen sie eine Kündigung meist aus sozialen Gründen ab. Auf der anderen Seite finden ältere Arbeitslose viel schwerer einen Job. Über 60-Jährige bleiben zumeist bis zur Pension in der Arbeitslosigkeit.
Durch das neue Pensionsrecht werde es kurzfristig zwar einen Anstieg bei der Arbeitslosigkeit geben, meint Ulrich Schuh vom Institut für Höhere Studien (IHS), langfristig rechnet er aber nicht mit gravierenden Auswirkungen. Die hohe Altersarbeitslosigkeit sei ein österreichisches Phänomen, das auch in den gesetzlichen Anreizen begründet sei. Ein Beispiel dafür ist die derzeit gültige Regelung, dass man wegen langer Arbeitslosigkeit in Frühpension gehen kann. Viele Unternehmen - vor allem Großbetriebe - haben die Regelung ausgenutzt und verabschieden ihre Mitarbeiter mit einem Golden Handshake in die Arbeitslosigkeit und Frühpension. Der Arbeitnehmer hat aufgrund des Firmenzuschusses keinen finanziellen Nachteil, das Unternehmen bekommt einen teureren - weil älteren - Mitarbeiter von der Lohnliste. Die Möglichkeit, wegen Arbeitslosigkeit in Frühpension gehen zu können, soll nun allerdings mit der Pensionsreform gestrichen werden.
Schuh rechnet damit, dass die Altersarbeitslosigkeit sinkt, wenn diese Anreize abgeschafft werden. "Wenn wir mit der Pensionsreform warten, bis sich der Arbeitsmarkt für Ältere ändert, wird sich nie etwas ändern, weil die ungünstige Situation ja gerade eine Folge der bestehenden Regeln ist", so der IHS-Mitarbeiter. Außerdem könne man nicht davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit ansteigt, nur weil die Beschäftigten länger arbeiten. "Das Beschäftigungsvolumen ist nicht fix, das funktioniert nicht so, dass die Zahl der Beschäftigten stabil bleibt", so Schuh. Eine höhere Altersbeschäftigung werde schon aufgrund der demografischen Entwicklung - in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird ein Arbeitskräftemangel prophezeit - notwendig sein.
Die demografische Entwicklung habe jetzt schon eingesetzt, in fünf bis zehn Jahren werde es dramatisch, so Schuh. Kurzfristig werde es aber schon zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen, bis sich alle Beteiligten - Arbeitnehmer wie Unternehmen - auf die neue Situation eingestellt hätten. Und das Phänomen, dass Arbeitslosigkeit als Übergang zur Pension gewählt wird, werde sich nach hinten verschieben.