Zweite Eurobowl-Niederlage dämpfte die Stimmung in den Reihen der Wiener. Fans und Spieler trauerten vergebenen Chancen beim 14:21 nach. "Wir kommen wieder, keine Frage!"
BRAUNSCHWEIG. Wenn g'standene Männer, 2m groß, ca. 150 kg schwer, Rotz und Wasser heulen, sitzt der Stachel sehr tief. Helme und Schulterpolster wurden wutentbrannt und in Serie zu Boden geschleudert, der Fassungslosigkeit freien Lauf gelassen. Selbst die an sich stets quirligen Cheerleader der Chrysler Vikings wirkten wie versteinert, trauerten dem letzten, vergebenen und alles entscheidenden Pass nach. Wieder nichts.
Die Vikings, die in Football-Österreich seit 1999 den Ton angeben, hatten die zweite Eurobowl-Finalniederlage kassiert, gegen die Löwen aus Braunschweig 14:21 (14:14) verloren. Logisch, dass sich die Gastgeber von 8000 Zuschauern feiern ließen, auch trotz des feucht-kalten Wetters freudestrahlend Pokal und Goldmedaillen präsentierten. Den Wienern blieb nach 2001 (an Bergamo gescheitert) erneut nur Platz 2.
Dabei hatte alles nach Wunsch begonnen, wirkten Angriffs- wie Abwehrreihen der Wiener sicher, von sich und dem einstudierten System überzeugt. 14:7 stand es kurz vor Halbzeit, und die Vikings-Tribüne bebte. Ein Elvis-Imitator hatte sich auf den Rängen mit einem "Blues-Brother" verbrüdert, zwischen Football-Veteranen von einst huschten kleine Wickie-Zwerge herum, wurden Fahnen gehisst, feierte die Familie, auch mit Trommeln, Signalhupen, Ratschen und Wikinger-Helmen ausgestattet, ein flottes Fest. Doch die Lions schafften die Wende (14:14), profitierten dabei vor allem von Fehlern der Wiener. Ein nicht gewerteter Touchdown, gefolgt von einem Ballverlust (Fumble), einem unnötigen Foul beim Punt-Kick (im 4. und letzten Spielzug beim Lions-Angriff) und eine verhängte 15-Yard-Strafe besiegelten den Untergang, bereiteten der Freudenfeier ein jähes Ende - 14:21.
"Natürlich bist nach so einer Niederlage enttäuscht", brachte es Defense-Urgestein Gregor Murth auf den Punkt. "Du hast den Ball, aber die Zeit (Anm.: 4 x 12 Minuten) rennt dir davon. Schade. Wir hatten diese Saison schon enorm viel Glück gehabt. Dass du nicht jedes Spiel in der allerletzten Sekunde gewinnen kannst, ist auch klar." Aber besser, so fügte er mit gequältem Lächeln hinzu, man verliere so, also mit Anstand, denn werde vorgeführt und "gnadenlos abgefertigt. Wir haben viel gelernt, geben nicht auf, kommen nächste Saison wieder. Keine Frage!"
Dem konnte auch der nimmer-müde Manager, Alfred Neugebauer, nur zustimmen. Man müsse an seine Ziele glauben, sich Schritt für Schritt herantasten, das Erlebte verarbeiten und daraus die richtigen Rückschlüsse ziehen. Braunschweig hätte ja auch erst im vierten Anlauf die Eurobowl (ähnlich der Champions League im Fußball) gewinnen können. "Unsere Burschen haben gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Und - die nächste Aufgabe wartet ja schon mit der Austrian Bowl!"
Beim Liga-Finale, das Samstag (15 Uhr) auf der Hohen Warte stattfindet und Erzrivalen Graz Giants als Gegner aufbietet, soll die Schmach getilgt, der fünfte Titel en suite erobert werden. "Die Giants müssen es büßen", versuchte Neugebauer den Seinen Mut zu machen. Abwarten, auch Graz (EFAF-Cupsieg 02) hat dazugelernt. Und die Giants wissen seit 1999 nur allzu gut, was es heißt, in der letzten Sekunde die Meisterschaft (gegen Wien) zu verlieren.