Este Märtin feierte ersten Sieg, Stohl erfüllte Hyundai-Erwartungen als Elfter.
LAMIA. Die Akropolis-Rallye verlangt Piloten und Boliden alles ab. Vor allem die Hitze machte allen bei der 50. Auflage des Griechenland-Klassikers schwer zu schaffen. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch, speziell im Motorsport. Petter Solberg (Subaru) etwa, der mit Altmeister Carlos Sainz (Citroen) bis zur letzten der 22 Sonderprüfungen Jagd auf den Esten Markko Märtin (Ford) machte, schoss den Vogel ab. Der Overall des Norwegers kam vor jedem Einsatz direkt aus der Tiefkühltruhe. Doch es nützte dem rasenden Eiszapfen, der hinter Sainz Dritter wurde, letztlich nichts. Denn Märtin, 28, zeigte sich davon unbeeindruckt, feierte im 48. WM-Lauf seinen ersten Sieg.
Manfred Stohl, 30, aus Wien, der beim 73. WM-Lauf erstmals ein Hyundai-World-Rallye-Car pilotierte, erfüllte als 11. jedenfalls die Werks-Erwartungen. Mit Herz hatte er die Aufgabe, 399 km über holprige, löchrige und staubige Schotterstraßen, unter die Räder genommen, mit Hirn setzte er hinterm Steuer alles in die Tat um. Obgleich ihn eine Zeitstrafe zurückgeworfen, vor ihm Fahrende eine dicke Staubwolke aufgewirbelt hatten und obendrein dem Allrad-Flitzer durch Öl-, Motor- wie hartnäckigen Gear-Box-Problemen auf den letzten Metern noch der "Saft" auszugehen schien. "Mir ging es", sagte er erleichtert, "nur noch darum, den Wagen auf Händen ins Ziel zu tragen. Ob ich 9., 10. oder 12. worden wäre, ist egal. Hauptsache, wir sind bei der ersten Hyundai-Rallye im Ziel!" Damit sprach er Teamchef Whitehead aus der Seele, der nach dem Start-Flop (Schwarz, Loix flogen am 1. Tag, der Finne Vällimäki am 2. raus) zumindest einen der Accent-Boliden im Ziel erlebte. "Dem Manfred brauchst Rallye-Fahren nicht erklären. Er hat Routine und Know-how!"
Was er auch bei der Special Stage bewiesen hatte, als er Ex-Weltmeister Burns "alt aussehen" ließ. Wie mit Top-10-Zeiten sowie Durchhalten bis zum Schluss. Es wurde fürstlich belohnt. Denn aus dem zuvor für vier Autos aufbereiteten Bereich war ein "Palast" für Stohl geworden. Der OMV-Pilot stand in der Auslage "wie Gott in Frankreich". Stohl und Co-Pilotin Ilka Minor (einzige Dame im WRC-Zirkus) hatten sich professionell präsentiert. Darob sagte Whitehead zu, schon in Deutschland (ab 23. Juli) mit Schwarz und Loix der dritte "WM-Point-Driver" zu sein. Ein Adelsprädikat.