Obwohl Karolina Sprem beim Wien-Energie-GP gegen Suarez das zweite Finale ensuite verlor, imponierte die Kroatin mit ihrem knallharten Spiel.
WIEN (-tzg-). Routine und Selbstbewusstsein aus Grand-Slam-Doppelsiegen behielt gegen Potenzial und Draufgängertum die Oberhand. Auch wenn Paola Suarez, Argentinien, Nr. 6, im Klassefinale um den Wien-Energie-GP nach 2:15 Stunden bei brütender Hitze die Hände in die Höhe riss - die Zukunft gehört der 18jährigen Besiegten, Karolina Sprem aus Varazdin in Kroatien. Sie hätte in zwei Sätzen gewinnen können, hätte sie im 1. Satz nicht ein 4:0 und 5:1 samt acht Satzbällen verjuxt. Und so verlor sie in drei mit 6:7, 6:2, 4:6. Aber die Sympathien nicht nur der eigens per Bus angereisten Kroaten gehörten Karolina, die aussieht, als wäre sie die junge Schwester der Ex-Paris-Siegerin Iva Majoli.
"Aber wir orientieren uns nicht an Majoli oder anderen - sie ist Karolina Sprem, sie spielt, wie es ihrem Naturell entspricht", sagt Sasa Hirszon, ihr Coach, einst Davis-Cup-Spieler mit Ivanisevic. Er verrät, dass Karolina, der auch Siegerin Suarez viel Lob spendierte ("Im 1. Satz hat sie unmenschlich gespielt"), als 9jährige begonnen, aber als Jugendliche nichts gewonnen habe, niemand hätte beim Jung-Teenager gedacht, dass aus ihm eine 18-Jährige schlüpfen könnte, die sich heuer durch zwei Qualifikationen bis in Finali (Straßburg, Wien) spielte. Und beide verlor, obwohl sie hätte siegen müssen. "Ihr fehlt nicht Können, ihr mangelt's an Disziplin", sagt Hirszon, der mit ihr daran arbeiten, ihr Spiel aber nicht ändern will. "Geht bei Mädchen gar nicht!"
Ja, hätte Österreich ein solches Talent, das von Basis-Schlägen her alles kann, was man können muss. Und mit welcher Wucht dazu! Aber sie übertrieb rohe Gewalt, überzog Schläge und so rutschte ihr das Match aus der Hand. "Ich weiß selbst nicht, wie es passiert ist", gestand das nächste Wunderkind, das Kroatien produziert nach Majoli und Mirjana Lucic, deren Schwester inzwischen die Szene betreten hat. Barbara Paulus, einst Tip 10, resümierte: "So spielen alle Kroaten!" Sprem schlägt sich nun für Wimbledon ein. "Ich glaube, ich hab auch dort Chancen!" Risiko drosseln, Wucht beibehalten, dann ist viel drin. Auch Sensationen.
Vizebürgermeisterin Laska überreichte die Trophy und streute den Reichels als Veranstaltern Rosen: "Es war so, wie erhofft, wir bauen darauf auf." Es gibt viele Pläne, Wien als Groß-Turnier zu etablieren. Ob's beim Termin bleibt, ist offen. In die Annalen aber ging der 14. Juni 2003 ein. Erstmals gab's ein chinesisches Doppelfinale. Tian-Sun-Ting Li schlugen Zi Yan-Jie Zheng, die Wartusch-Mandula und Schett-Grande besiegt hatten. Nicht nur Kroaten kommen - auch die gelbe Gefahr droht.