Skispringen. Außenseiter Romoeren feierte mit Siegpremiere zum Tournee-Abschluß den ersten Norweger-Triumph seit 1996. Halbzeiterster Liegl verlor Spiel mit Wind und Nerven (9.). Ahonen souverän Gesamtsieger.
BISCHOFSHOFEN. Er konnte sein Glück kaum fassen, fuhr sich durchs wallende Haar und sprang herum wie Rumpelstilzchen. Da wurde er von Teamkollegen Sigurd Pettersen gepackt und in den Auslauf getragen. Der Norweger Björn Einar Romoeren gewann das Tournee-Finale in Bischofshofen, setzte sich als Halbzeit-Achter (126,5) mit einem 130,5-m-Satz von der Konkurrenz ab. Selbst Mika Kojonkoski mußte da lachen. Der finnische Ex-Adler-Betreuer feierte damit (s)einen Norsker-Triumph, der erste Tournee-Tagessieg seit Espen Bredesen 1996. "Heija!" Die finale Sternstunde, nach der junge Adler gegriffen hatten, gab's also für ein bis dato kaum bekanntes Nordlicht . . .
Indes stand der Finne Janne Ahonen total entspannt im Zielraum, hatte sich als Vierter, der am Ende nichts mehr riskiert hatte (130/123,5), souverän seinen schon zweiten Tournee- Gesamtsieg gesichert. "Moi Mico" stand auf seinem Handschuh, Grüße an den Sprößling, zugleich eine Absage aber an Hannawald (128,5/127), der sich mit Platz zwei zufrieden geben mußte. Aber auch an Martin Höllwarth, der zurückfiel und das gelbe Trikot an den Finnen abtreten mußte. Mittendrin im Jubel strahlte auch Andreas Kofler (18), der sich auf eine Stufe mit Hannawald stellen durfte. "Oa unglaubliche G'schicht", gluckste der Teenager. "Immer Top Ten bei der Tournee, jetzt sogar a zweiter Platz, das ist echt super!"
Etwas zerknittert wirkten Thomas Morgenstern (6.) und Florian Liegl (9.), die nach dem ersten Durchgang für eine Doppelführung gesorgt hatten. Doch die beiden Teenager meinten im Tenor, "stolz zu sein" ob ihrer ersten Tournee-Teilnahme. "Aber zum Schluß war's eine zaache G'schicht", ärgerte sich Morgenstern (16), der Tournee-Benjamin. Liegl (19), der mit 194-m-Körpergröße auch die größten Ski (2,80) im Weltcup verwendet, ging da schon härter mit sich ins Gericht, sprach von zu "großen Anforderungen". Doch da ergriff Cheftrainer Hannu Lepistö das Wort, beruhigte die beiden. "Im ersten Sprung habt ihr Glück, im zweiten aber viel Pech gehabt!" Ihre Zeit würde schon noch kommen, das Tournee-Debüt jedenfalls wäre der beste Vorschuß für die Zukunft. Was heißt Zukunft? Sie hat spätestens bei dieser Tournee, die einen Generationswechsel andeutete, schon begonnen, auch wenn er trotz Bischofshofen doch noch nicht vollzogen scheint.
Dem konnte auch Rennsportdirektor Toni Innauer nur nickend zustimmen. "Dreimal sind wir Zweiter g'worden, einmal Dritter. Da hat irgendwas mit dem Timing nicht gepaßt", feixte er. "Auf einmal wär' mir lieber g'wesen, da hätt' ma einen Tagessieg schon haben können!" Doch Spaß beiseite. Mit der Tournee wäre er vollauf zufrieden, zumal deutlich geworden wäre, "über welch phantastisches Potential wir verfügen. Die jungen Springer haben sich ins Team eingefügt, fordern die Routiniers. Dadurch ist Bewegung drinnen!" Eine gesunde Rotation, die willkommenen Druck erzeuge, sich aber zugleich positiv auf die Mannschaft übertrage. Ein Verdienst, den Innauer dem Finnen Lepistö an die Brust heftete. "Hannu ist der Fachmann schlechthin. Er versteht es, die Athleten zu betreuen. Und gibt sein Wissen an die Co-Trainer Kuttin und Horngacher weiter. Ich bin gespannt, wie die Saison weitergeht und was die Weltmeisterschaft in Val di Fiemme bringen wird . . ."