Klingende Münze für Herrn Jedermann

Für die Festspiele werden 168 Millionen Euro Umwegrentabilität errechnet - da scheint ein Budget von 44 Millionen Euro angemessen.

G
ut gebuchte Hotels, seit Wochen vor reservierte Tische in Nobelrestau rants, ein Kartenverkauf, der alle Rekorde übertrifft: Von der allgemeinen Wirtschaftsflaute ist in Salzburg nicht viel zu bemerken. Die Festspiele versprechen auch in diesem Jahr wieder das große Geschäft zu werden. Sie sind ein Wirtschaftsfaktor, von dem eine ganze Region gut lebt. In den fünf Wochen des Festivals setzen viele Geschäfte, Hotels und Restaurants den nötigen "Speck" an, um auch während magerer Herbst- und Wintermonate gut über die Runden zu kommen. Auch die Festspiele selbst sind ein riesiges Unternehmen: Der fixe Stab an 180 Beschäftigten wächst in der Saison auf 3500 bis 4000 Mitarbeiter an, erklärt Gerbert Schwaighofer, kaufmännischer Direktor des Festivals, der "Presse". Das Unternehmen Festspiele verfügt über ein Budget von rund 44 Millionen Euro. Die öffentliche Hand hat in den vergangenen Jahren ihren Beitrag von insgesamt rund zehn Millionen Euro um drei Mal zwei Prozent zurückgeschraubt.

Berücksichtigt man, dass es für Kostensteigerungen bei den Löhnen keine Abgeltung gab, habe man insgesamt rund zwei Millionen Euro weniger zur Verfügung, erläuterte Schwaighofer. Die Festspiele begegneten diesem Umstand mit zwei Strategien: Einerseits wurden die Fixkosten um knapp eine Million Euro gesenkt, andererseits Sponsoren ins Boot geholt: Nestlé, Audi, Siemens, Uniqa und heuer auch die AUA steuern als Hauptsponsoren je 550.000 Euro zu den Festspielen bei. Die Festspiele haben die Obergrenze bei der Zahl der Hauptsponsoren auf sechs festgelegt. Mehr wäre kontraproduktiv.

Neben Sponsoren aus der Wirtschaft konnte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler als "Außenministerin" des Festivals auch Mäzene und Förderer gewinnen. Dabei fallen vor allem zwei Namen auf: Alberto Vilar und Donald Kahn. Der amerikanische Investor Vilar hat 1999 zugesagt, die Festspiele bis 2004 jeweils mit einer Million Dollar zu unterstützen. Nach dem Börsen-Tief der vergangenen Monate ist Vilar mit seinen Zahlungen im Rückstand. Trotzdem wird Rabl-Stadler nicht müde, zu betonen, wie großzügig Vilar sich dem Festival gegenüber erwiesen hat. Im Herbst soll über neue Zahlungsziele gesprochen werden. Donald Kahn, Verleger aus New York und Wahl-Salzburger, gehört im Festspielbezirk ebenfalls zu den sehr gerne gesehenen Gästen. Er stellt Millionen für den Umbau des Kleinen Festspielhauses zur Verfügung, lädt zahlungskräftige Gäste zu einem "Amadeus Weekend" mit Fundraising-Dinner nach Salzburg und beteiligt sich an den Kosten zur Renovierung der Alten Aula der Universität.

Trotz Subventionen und Förderungen: Der größte Brocken des Budgets kommt aus dem Kartenverkauf. Rund die Hälfte ihrer Einnahmen erwirtschaften die Festspiele selber. Und da dürfte der Sommer 2003 Rekorde brechen: Waren ursprünglich 22,8 Millionen Euro angesetzt, waren vor der Eröffnung schon 23 Millionen gesichert. "Wir sind sehr zufrieden", freut sich Andreas Vrtal, Leiter des Kartenbüros der Festspiele.

"Offensichtlich verhalten sich unsere Kunden antizyklisch", sagt Vrtal über den unerwarteten Andrang auf die insgesamt 219.000 Karten. Etwa ein Drittel des Kartenkontingents geht an Unternehmen aus aller Welt. Und die sparen offensichtlich auch nicht, obwohl die teuerste Kategorie der Opernkarten erneut von 340 auf 350 Euro angehoben wurde. Zu den "Rennern" der Saison zählten "Hoffmanns Erzählungen" und "Jedermann": Jede Karte des Salzburger Dauerbrenners hätte fast vier Mal verkauft werden können.

Bernd Gaubinger, Autor der aktuellen Studie über die wirtschaftlichen Effekte der Festspiele, hat auch eine Befragung unter den Gästen ausgewertet: Demnach bleibt der typische Festspielgast 7,3 Tage Salzburg, kommt zu zweit, wohnt in der Stadt und besucht 4,5 Vorstellungen. Während des Aufenthalts gibt er 2170 Euro aus. Und auch für den Finanzminister ist's ein gutes Geschäft: Rund 25 Millionen Euro Einnahmen kann er verbuchen. Damit sind jene 10,2 Millionen, die von der öffentlichen Hand an Subventionen kommen, gut angelegt.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.