Polizei fürchtet um Fahndungserfolg

Der Erpresserbrief ist bereits vor einer Woche bei der Uniqua Versicherung eingelangt.

WIEN (ag.). Das Durchsickern der Nachricht über den Erpresserbrief, der nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen bereits etwa vor rund einer Woche bei der Uniqa-Versicherung einlangte, könnte den Fahndungserfolg der Polizei gefährden. Ermittlerkreisen zufolge sei deshalb auch weiter mit keinerlei offiziellen Aussagen über den Verbleib des Kunstwerkes mit einem Schätzwert von rund 50 Millionen Euro zu rechnen. Man könne nicht einmal sagen, ob der Brief, in dem fünf Millionen Euro gefordert werden, im In- oder Ausland aufgegeben wurde.

Offenbar Auftragsarbeit

Bei der Tat dürfte es sich offensichtlich nicht um eine Auftragsarbeit gehandelt haben, da die Unbekannten sonst kaum versuchen würden, von der Uniqa, bei der alle Werke des Kunsthistorischen Museums versichert sind, "Lösegeld" zu erpressen. Die Polizei dürfte Mitte dieser Woche von dem Erpresserbrief informiert worden sein. Der Generaldirektor der Uniqa, Konstantin Klien, gab am Freitag auf Anfrage der APA keinerlei Kommentar zu der Causa ab.

"Brösel" vom Salzfass

Bei der Probe, die dem Schreiben beigegeben war, handelt es sich nicht um Staub, sondern um "Brösel" von der Keramik des Salzfasses. Diese dürften tatsächlich von der Figur stammen.

Seipel: Porzellan kann nicht stimmen

Der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, gibt zur Causa Saliera derzeit keinen Kommentar ab. "Es gibt keine Neuigkeiten", sagte KHM-Sprecherin Annita Mader zur APA, "wir haben den Brief auch nie gesehen, und wir wissen nicht, ob Staub oder Materialproben beigelegt wurden. Nur dass es Porzellan war, kann nicht stimmen."

Gedrehtes Gold mit Wachskern

"Die Saliera besteht aus gedrehtem Gold mit einem Wachskern und Emailverzierungen. Das hat der Herr Direktor ja gleich zu Beginn gesagt, damit die Diebe nicht auf die Idee kommen, die Skulptur einzuschmelzen, in der Meinung, sie bestehe zur Gänze aus Gold. Das Gewicht der Skulptur kommt von ihrem Ebenholzsockel", so Mader. Im KHM habe man weder eine Analyse in Auftrag gegeben noch wisse man, ob eine solche durchgeführt worden sei bzw. was sie ergeben habe.

Versicherung bewahrt Stillschweigen

Für Fragen, ob in den Versicherungsverträgen auch Lösegeldforderungen für gestohlene Objekte berücksichtigt seien, und wer (das Museum, die Versicherung, der Bund über ein Sonderbudget) eine solche Lösegeldforderung gegebenenfalls bezahlen würde, fühlt Mader sich nicht zuständig. "Das muss zwischen Museum und Versicherung geklärt werden. Aber die Versicherung bewahrt ja strengstes Stillschweigen.

Bildungsministerium: Nicht Ansprechpartner

Auch im Bildungsministerium fühlt man sich weder als Ansprechpartner für solche Fragen noch in den Fortgang der Ermittlungen involviert. "Wir sind überzeugt, dass die zuständigen Behörden gemeinsam mit den Ermittlern und dem Kunsthistorischen Museum die Geschichte zu einem positiven Ergebnis bringen", war der einzige Kommentar von Ulrike Rauch-Keschmann, der Pressesprecherin von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V), gegenüber der APA.

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