Heute, Mittwoch, wird Karl Prantl 80 Jahre alt. Ein Tastversuch.
W
enn die Finger noch etwas unsi cher über Karl Prantls glänzende Steine gleiten, die Kuppen gierig über eine Linie von kalten Grübchen fliegen, erschrocken innehalten, eine raue Störung erforschend, und dann magnetisch schwer auf dem mächtig schweren Brocken lasten bleiben - ist der Begreifende schon verführt von diesem bedächtig schaffenden Künstler. Oder auch nicht. Dann stumpfen die Sinne, und dumpf ist der Ausdruck, der auf die so schlicht und selbstverständlich erscheinenden Skulpturen zurückfällt. Die Anstrengungen ihrer Entstehung, die penible Bearbeitung behalten die glatten Kuben, Stelen und Platten für sich. Mit gutem Recht, haben doch die Blöcke aus Granit, Marmor, Amazonit, Serpentin, Basalt dem geduldigsten ihrer Zuhörer genug verraten -ihr verschichtetes Innerstes.
"Es geht immer um die Wesenheit des Steins", sagt Prantl gern über seine Kunst. Ein Satz, der alles erklärt und doch nichts preisgibt - jedenfalls am Beginn von vielem steht, wie auch vom Porträt, das der ORF zum 80. Geburtstag des am 5. 11. 1923 im burgenländischen Pöttsching geborenen Künstlers drehte. 45 berührend-stille Minuten geben Einblick in Prantls Welt, sein Atelier-Haus im Pöttschinger Feld, den Skulpturenpark oberhalb des Steinbruchs St. Margarethen. Hier rief Prantl, immer auch für ein geeintes Europa kämpfend, 1959 das "Symposium Europäischer Bildhauer" ins Leben. Rastlos reiste er jahrelang - bis er in seinem Geburtsort wieder Ruhe fand - auf der Suche nach den richtigen Steinen und Kontakten zu Kollegen um die Welt, nach Brasilien, Japan, Norwegen, Afrika, Indien. In Nürnberg formte er aus Steinplatten der Aufmarschstraße des Reichsparteitagsgeländes, die KZ-Häflinge aus Granit meißeln mussten, den "Nürnberger Kreuzweg". In seinen Anliegen konnte Prantl immer auf die Unterstützung seiner Frau, der Malerin Uta Peyrer, zählen, wie auch medial besonders auf den verstorbenen "Presse"-Kunstkritiker Kristian Sotriffer.
Nie allerdings war Prantl so präsent wie Alfred Hrdlicka. Und doch zählt der stark von der Zen-Philosophie Faszinierte zu den renommiertesten Österreichern seines Faches, vertrat Österreich 1986 auf der Biennale Venedig. Seine letzte große Ausstellung in Wien liegt lange zurück: 1982 war ihm eine Personale im 20er Haus gewidmet. Das mag auch daran liegen, dass Prantls meditative Steine sich den musealen Regeln widersetzen. Begreifen ist gefordert, Erdung und Natur, nicht Distanz, Sockel und Klimaanlagen. Auch Größenverhältnisse und Gewichte sprengen teilweise den Rahmen. Kleinere Arbeiten zeigt ab heute die Wiener Galerie Ulysses. Ein schöner übersichtlicher Rückblick auf eine jahrzehntelange Karriere, ein exzeptionell stringentes Werk eines wunderbaren Steinflüsterer. Dabei hat alles ganz anders begonnen, in der Klasse für Malerei von Albert Paris Gütersloh 1946 . . .
Galerie Ulysses: "Steine", Opernring 21, Wien 1, bis 10. 12., Di.-Fr. 12-18, Sa. 10-13h.
ORF-Porträt "Die Steinspur - Der Bildhauer Karl Prantl, So., 9. 11., 23.15h, ORF 2.