Gotische Eisentür zum Luxus

Gedämpfte Oster-Stimmung bei der Antiquitätenmesse, die noch bis 21. April in der Salzburger Residenz Hof hält.

Skurriles, Edles und Prätentiöses bei Salzburgs 28. Kunstmesse.

Sie gilt als nobelste unter den österreichischen Messen für Kunst und Antiquitäten - doch wird auch in den Prunkräumen der Salzburger Residenz nur mit Wasser gekocht. Besonders zu unerfreulichen Zeiten wie diesen, obwohl bei der Pressekonferenz litaneiartig der ach so blühende Kunsthandel gepriesen wurde. Doch glauben tut das niemand mehr, auch die Atmosphäre wirkte etwas gedämpft.

So bietet die heuer das erste Mal in Salzburg vertretene Kremser Galerie im Hof eine beeindruckende, neu auf den Markt gekommene Anna Selbdritt von 1515 um 65.000 Euro an - "aber nur weil die Zeit so schlecht ist. Es ist gar nicht toll - wer etwas anderes sagt, der lügt", findet sich der Händler in sein Schicksal. Bei den Wienern Giese & Schweiger, die sich einen großzügigen Stand gegönnt haben, sieht man das gelassener: "Einem guten Sammler ist die Wirtschaftslage egal. Wir gehen mit den Preisen jetzt auch nicht herunter. Und eine Messe ist nie eine Schnäppchenjagd."

Aufheitern kann da nur eine bunte Jagd nach Skurrilitäten durch Möbel, Schmuck, Glas, Gemälde, Skulptur zwischen Art Deco und Hermann Nitsch, Gotik und Waldmüller: Bei D & S aus Wien verwundert eine "Sprechende Uhr", die knarrend und schwer verständlich die Stunde ansagt. Nur das Gehäuse für einen Zeitmesser, aber umso origineller ist die hohle, liegende Keramik-Dame von Dagobert Peche bei Kunsthandel Ilko um 4900 Euro.

Beim Salzburger Juwelier Englich erkennt man, woher heutiger Modeschmuck seine Anregungen nimmt - etwa bei dem kostbaren strengen Kreuz-Anhänger aus dem Jahr 1810, der heuer im Sommer als billige Kopie viele Hälse zieren wird. Wer nicht mit irgendeiner Tür knallen möchte, sondern wenn schon, dann mit Stil, dem sei das schlichte gotische Eisentor, um 1500, beim Wolfurter Händler Walter Moskat empfohlen. Um 10.000 Euro wechselt die ehemalige Kapellentür ihren Liebhaber.

Die Ausstattung zur Luxus-Wohnung findet man bei der Londoner Galerie Dover Street, wo Blätter von George Grosz, eins um mehr als 300.000 Euro, angeboten werden. Oder man geht gleich aufs Ganze und leistet sich eines der Prunkstücke der Messe, den Picasso aus 1969 um 1,75 Millionen Euro bei Salis & Vertes. Überhaupt fand sich bei den 45 ausstellenden Galerien viel Moderne, meist österreichische von Boeckl bis Weiler. Insgesamt wird die Messe von heimischen Händlern dominiert. Als Neuzugänge konnte man sich heuer aber gleich über drei deutsche Anbieter freuen.

Etwas seltsam, obwohl sicher auflockernd, mutet im Rahmen einer Antiquitätenmesse die zeitgenössische Kunst an, die hier immer mehr Platz erobert. Die Gefahr, in den Kitsch abzudriften, ist in diesem Segment besonders gegeben: Die Galerie G aus Heidelberg etwa stellt einen italienischen Maler vor, der mit seinen glatten, antikischen Motiven besser in einen Souvenir-Shop gepasst hätte. Das Ambiente von Kunst und Handel verleitet eben dazu, einen Anzinger oder Nitsch allein als Einrichtungsgegenstand oder Wertanlage zu sehen. Solche Bedenken wirft man gleichmütig über Bord, wenn man am Stand der Galerie bei der Albertina vor dem schwarz-glänzenden Vitrinen-Kästchen steht, das Adolf Loos 1908 für die Sommerwohnung seiner Lina entworfen hat. 75.000 zeitlose Euro dürfen für dieses Schmuckstück geopfert werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.