Ausstellung: Superstar trifft Bierbauch

"Art Position 2003" zeigt ab Freitag in der Ottakringer Brauerei die jüngere österreichische Kunstszene im Überblick: Zum Staunen und Kaufen.

Junge Kunst kann, wie in Wien leider oft praktiziert, zu Tode inszeniert, arrangiert, institutionell vereinnahmt wer den - oder man gibt ihr scheinbar beiläufig einen Raum, den sie erobern kann. Diesen frischen Off-Charakter vermittelte bereits im letzten Jahr die "Art Position", die den Gersten-, Hopfen- und Hefeboden der Ottakringer Brauerei überwuchert hat. Auch heuer bietet man hier ab Freitag, in Kooperation mit der "Presse", einen Überblick über zur Zeit in Wien lebenden Künstler zwischen 20 und 40 Jahren. 65 Vertreter wurden von Organisator Kolja Kramer ausgewählt, 250 Werke von Malerei, Skulptur, Fotografie bis Video, Design und Architektur hängen bzw. stehen zwischen ausrangierten Geräten, auf unverputzten Wänden, rohem Beton- oder Holzboden. Nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Kaufen: Die Preise reichen von 100 bis 5000 Euro.

Auffällig ist ein extremer Hang zum Gegenständlichen, sowohl in der Malerei als auch in der Skulptur. So bleibt die Kunst ähnlich der Umgebung recht bodenständig - eine Ausstellung zum Schmunzeln, Greifen, vor allem auch Begreifen. Denn die jungen Künstler machen dem Betrachter den Zugang zu ihrer Welt ziemlich leicht, die Themen sind zwar meist simpel, aber in jedem Fall sinnlich. Die Gefahr, einfach platt und konsumorientiert zu sein, ist latent vorhanden - ein Zeitgeist, dem sich die Künstler anscheinend nicht verwehren wollen.

Schon die Begrüßung ist amüsant: Zwei lebensgroße Figuren vom Duo Ramacher/
Einfalt flankieren den Eingang, mit goldenen Höschen, einer mit Bierbauch, der andere mit Hühnerbrust. Dann lässt Petra Buchegger bunte, mit Harz verstärkte Haushaltskittel von der Decke baumeln - "Die feinen Unterschiede". Mit Farbe wird auch sonst nicht geknausert. Aus rotweißroten Strohhalmen wölbt sich "Ein schönes Stück Österreich" - ein graziles Hinterteil, das sicher noch kein Schnitzel zu verkraften hatte. Köstlich anrüchig die Fimo-Miniaturen von Karin Frank (30), die als Shooting-Star im Bereich Skulptur gehandelt wird.

Auch auf Leinwand und Papier menschelt es vorwiegend, Landschaften etwa von Gabriele Sturm oder Letizia Werth sind die originellen Ausnahmen. Auch die Fotografie geht interessanter Weise neben Dutzenden gemalten Großformaten unter. Hier zählt meist die Oberfläche, glatte Ästhetik und coole Sprüche: "I gonna take your Honda, Baby!" haucht Veronika Dirnhofers Lolita, Christoph Schirmers gelangweilte Models in Stiefeln und Netzstrümpfen warten auf ihre anderen "oversophisticated" Kollegen, Klaus Wankers sexy "Superstars" auf ihre 15 Minuten TV-Ruhm. Richtig redundant wird teilweise auf Comic-Figuren von Daisy bis Pocahontas zurückgegriffen. Frohe Kunst, praktisch nie politisch - was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Beunruhigender sind viel mehr die penetranten Auswirkungen des Meisterklassen-Prinzips der Wiener Kunstuniversitäten: Einen Gironcoli-Schüler oder -Schülerin erkennt man auf zehn Meter, und Hubert Schmalix scheint selbst aus seinem US-Refugium die Fäden nicht locker zu lassen.

Gefeiert werden muss natürlich trotzdem, und zwar am Freitag, 23. Mai, ab 20 Uhr beim ersten "Art Clubbing" in der Brauerei.

Bis 6. Juni. Di.-Fr. 17-22 h, Sa. 10-1h.

Rahmenprogramm: www.artposition.at

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