Roy Jenkins, britischer Politiker und Buchautor, starb am Sonntag mit 82 Jahren.
Mit Lord Roy Jenkins ist ein bedeutender Zeuge des vorigen Jahrhunderts verstorben, ein facettenreicher Politiker und zudem ein hervorragender Schriftsteller. Der aus dem walisischen Bergarbeitermilieu stammende Oxford-Absolvent kam 1948 ins Unterhaus. Sein prominentester Kollege für die nächsten sechzehn Jahre war Winston Churchill. Über ihn hat Jenkins 2001 ein Alterswerk verfaßt - eine tausend Seiten starke Biographie, die das liberale Element an dem großen Staatsmann hervorstreicht.
Von den gut 20 Büchern Jenkins' ist auch die Lebensbeschreibung Gladstones bemerkenswert, die ebenfalls zum Bestseller wurde. Subtile Ironie und scharfe Intelligenz kennzeichnen den Stil des Autors.
Auch in der Politik war der intellektuelle und zugleich hedonistische Jenkins ein Mann der feinen Klinge. Vielleicht ist er gerade deshalb nie Parteichef von Labour oder Premierminister geworden. Als Innenminister unter Regierungschef Wilson entkriminalisierte er in den sechziger Jahren die Homosexualität, er legalisierte den Schwangerschaftsabbruch und setzte sich für Minderheiten ein. Jenkins' Bilanz als Schatzkanzler ließ sich sehen, wenn man sie mit der seines ausgabenfreudigen Vorgängers James Callaghan vergleicht. Über seine Kollegen, die Schatzkanzler der Nachkriegszeit, hat der Insider vor wenigen Jahren ein profundes Buch geschrieben.
1981 vollzog Jenkins den Bruch mit der Arbeiterpartei. Mit David Owen, Shirley Williams und William Rodgers gründete er die Sozialdemokratische Partei, die jedoch wegen des britischen Wahlsystems wenig Erfolg hatte. Die Entfremdung von Labour hatte schon in den siebziger Jahren begonnen. Der Pro-Europäer Jenkins war der Partei wohl zu liberal, sie entfernte ihn vom Zentrum der Macht, indem sie ihn nach Brüssel schickte. Von 1977 bis 1981 fungierte er als EG-Kommissionspräsident.
Vielleicht war Jenkins seiner Zeit bei Labour einfach voraus. Der jetzige Parteichef und Premierminister Tony Blair schätzte den väterlichen Rat des Lords, der seit 1987 auch Kanzler der Universität Oxford war. Seine Anregungen zu einer moderaten Wahlrechtsreform wurden jedoch von der Regierung bisher stillschweigend übergangen.