Schindler-Haus: MAK-Chef startet Protestaktion

Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, startete eine Protestaktion zur Rettung des Schindler-Hauses.

Vorwerfen könnte man MAK-Direk tor Peter Noever einiges - etwa die mit Dezember peinlich verspätet angesetzte Wiener-Werkstätten-Jubiläumsausstellung. An wildem Enthusiasmus für zeitgenössische Kunst und Architektur hat es ihm allerdings noch nie gemangelt. Zur Zeit ficht er in Los Angeles einen idealistischen Kampf für einen bedrohten Meilenstein der modernen Architektur in Kalifornien, das Schindler-Haus in West-Hollywood.

1995 hat Noever hier eine Dependance des MAK eingerichtet, die mit kleineren Ausstellungen bespielt wird und Stipendiaten beherbergt. Nun scheint das ehemalige Doppelfamilienhaus, das der austro-amerikanische Architekt und Sozialutopist Rudolf M. Schindler (1887-1953) gemeinsam mit Richard Neutra bewohnte, von einer in unmittelbarer Nachbarschaft geplanten Wohnanlage bedroht. Anfang 2004 sollen die Bauarbeiten im Süden des Grundstücks beginnen. Ein, laut Noever, dramatischer Eingriff in das einst bahnbrechende Konzept des Schindler-Hauses, das nur im Dialog mit seiner Umgebung funktioniere.

Nach dem Motto "Schindler zu lieben genügt nicht, man muss etwas tun", rief Noever kurzerhand einen internationalen Architekten-Wettbewerb aus, um Alternativen zum "fantasielosen Wohnblock" zu finden. Ohne realen Auftrag und ohne Honorar nahmen über 20 Architekten, darunter auch Coop Himmelb(l)au und Günter Domenig an der Protestaktion teil. Drei Entwürfe wurden prämiert: von Zaha Hadid, Peter Eisenman und Odile Decq + Benoit Cornette. Alle Pläne werden zur Zeit im Schindler-Haus ausgestellt.

Das unübliche Engagement sorgt in den USA für Beachtung: "Was wir tun, ist politisch nicht korrekt, weil wir uns in anderer Leute Geschäfte einmischen", erklärte Noever etwa der New York Times. Und: "Wenn nur ein Prozent Chance auf eine Umplanung besteht, muss sie genutzt werden."

Tatsächlich beschäftigt Noever die Frage, wie man mit dem kulturellen Erbe umgeht. Schließlich möchte er sich in zehn Jahren nicht vorwerfen lassen: "Diese vertrottelten Österreicher haben nicht einmal den Mund aufgemacht," so Noever zur "Presse".

Die Hoffnung auf ein Einlenken des Bauherren Richard Loring, der das Grundstück für drei Millionen Dollar erworben hat, gibt Noever noch nicht auf. Das letzte Wort sei allerdings schon gesprochen, reagierte der Investor in der New York Times. Als Kompromiss wurden bereits die Wohneinheiten reduziert, die Anlage werde auch keinen Schatten auf das Schindler-Haus werfen. Außerdem sei der Entwurf von Lorcan O'Herlihy alles andere als langweilig. In erster Linie gehe es aber um Architektur, die Geld abwirft und nicht darum, Paradigmen für zukunftsorientiertes Bauen zu schaffen.

"Schindler's Paradise, Architectural Resistance", bis 31. August; www.makcenter.com

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