Mit Robert Punkenhofer als neuem Geschäftsführer will die Österreichische Design Stiftung jetzt neu durchstarten. Ein Gespräch über Superlative.
Vor drei Jahren baten die Graz-2003-Kulturhauptstadtmacher den zufällig heim an die Mur gekommenen Robert Punkenhofer zum Brainstorming. Er hat prompt am nächsten Tag ein Ergebnis geliefert: das heuer meistdiskutierte Wahrzeichen der Kulturhauptstadt, die Mur-Insel. Nach Punkenhofers Idee begann dann der New Yorker Künstler Vito Acconci die Gestaltung.
Für Aufregung hat der 1965 geborene Grazer jedenfalls gesorgt. Genau diese bräuchte die "Österreichische Designstiftung", um nach dreijährigem Bestehen aus dem Dornröschenschlaf getragen zu werden.
Im Oktober 2002 löste Punkenhofer Teresa Reininghaus als Geschäftsführer von Perform Design, der operativen Tochter der Designstiftung, ab. Nach zehn Jahren als stellvertretender Handelsdelegierter Österreichs in Mexiko, New York und Berlin kam damit Punkenhofer wieder nach Österreich zurück. Sein erster Akt: Er verlegte den Geschäftssitz der Designstiftung von Graz nach Wien, in ein provisorisches Büro.
Unter Druck
"Natürlich stehe ich unter Druck - jetzt ist der Punkenhofer da, der hat die Mur-Insel ins Wasser gesetzt, war zehn Jahre im Ausland, hat einen eigenen Kunst-Raum in Mexiko aufgebaut. Und was jetzt? Sitzt er da in seiner Wohnung? Und in Wien noch dazu!" beschreibt der glutäugige Allrounder die neue Herausforderung. Und: "Ich sehe mich ein wenig als Guerilla-Truppe. Einerseits komme ich aus der Wirtschaft, andererseits extrem von der hardcore-contemporary-art".
Eine ideale Mischung für die Designstiftung, in der Industrie und Kreative zusammenfinden sollen. Zwei Jahre studierte der Jurist Kunstmanagement in New York. 1995 gründete er in Mexiko City "Art & Idea", eine nicht profitorientierte Organisation für Gegenwartskunst, mit der er bis jetzt über 50 Ausstellungen verwirklichen konnte.
Ausstellungen sind auch ein tragender Pfeiler von Punkenhofers "Vision" für die Designstiftung. Was noch fehlt, ist der geeignete Raum: "Ich verfolge zur Zeit ein Projekt hinter dem Westbahnhof, die alte Svoboda-Fabrikshalle. Das sind zwei mal 400 Quadratmeter Loft-Fläche über den Dächern Wiens". Eine andere Möglichkeit wären auch Räume im Museumsquartier. Aber noch ist nichts fixiert.
"Meine Vision ist ein internationales Design-Zentrum hier in Wien zu entwickeln - und zwar das beste der Welt". Um eine Kopie der Vitra Museen oder des Londoner Design Museums soll es sich jedenfalls nicht handeln, sondern um ein Labor, in dem Präsentationen, Events, Symposien, Workshops stattfinden sollen.
"Ich möchte auch die größte private Design-Sammlung nach Wien bringen. Das MAK hat gerade einmal Wiener Werkstätte, aber kaum nordisches Design, Bauhaus - da ist eigentlich in Österreich nichts da", sagt Punkenhofer.
Bis Juni soll es eine neue Website, ein neues Magazin, einen neuen Raum geben. Nur der Ende Februar tagende Vorstand unter dem Vorsitz von KTM-Chef Stefan Pierer muß von den ehrgeizigen Plänen noch überzeugt werden: "Aber es wäre ein Armutszeugnis für mich, wenn sich niemand auf den Schlips getreten fühlt."
Illusion vom vielen Geld
Heiße Gefechte wird es auch um Punkenhofers Budget geben: "Es besteht immer diese Illusion in der Öffentlichkeit, die Designstiftung hat so wahnsinnig viel Geld, aber sie macht nichts - wie auch? Ich habe heuer 200.000 Euro - das ist nichts! Und im nächsten Jahr sind es bis jetzt genau 30.000 Euro, die Erträge aus dem Stiftungs-Kapital. Mir wird immer wieder vor die Nase gehalten, warum wir nicht das British Design Council sind. Das gibt es seit 1945, es hat 50 feste Mitarbeiter und ein Millionen-Budget. Wir brauchen etwas für Österreich, das aus unserer Situation wächst."
Diese Situation würde erst einmal nach einem neutralen Netzwerk verlangen, "wo sich die Leute reiben können, wo die Funken fliegen". Und zwar auch über die Grenzen hinaus: "Mit der EU-Erweiterung können wir uns hier in Wien unglaublich gut positionieren. Ich kann die österreichische Wirtschaft und Designszene nur dadurch fördern, daß ich sie international vernetzte. Auch wenn ich längerfristig auch in die Bundesländer gehe, weil dort ebenfalls Handlungsbedarf ist. Aber im Moment konzentriere ich mich nach Oben und nach Außen."
Nach drei Jahren, in denen es die Stiftung gibt, will Punkenhofer jetzt durchstarten: "Alle fragen sich ja schon: Was ist denn eigentlich die Designstiftung? Es gibt kein klares Konzept, keine Vision, kein Budget, es gibt nichts außer negatives Image. Auch mit einem niedrigen Budget will ich jetzt ein klares Statement abliefern."
An die Medien ist der Grazer mit seinen Ideen bis jetzt noch nicht gegangen: "Auch wenn alle ungeduldig sind: Es ist wichtig, sich Zeit zum Denken zu nehmen, nicht gleich loszustürmen - dafür hat alles Hand und Fuß. Aber bis Juni ist es nicht mehr lang, ich brenne! Mein Rhythmus derzeit: von 8 am Morgen bis 2 in der Früh!"