Kunstmarkt: Out of Asia im Dorotheum

Ab Herbst veranstaltet das Dorotheum nach sechs Jahren Pause wieder Asiatica-Auktionen.

V
or sechs Jahren fiel im Wiener Do rotheum der letzte Hammer für Bodhisattvas, Drachen und ihre exotischen Konsorten. Nach einiger Aufregung um angebliche Fälschungen, beschloss die Direktion 1997 die Asiatica-Auktionen einzustellen. Ab Herbst aber gibt es wieder Konkurrenz für die auf asiatische Kunst spezialisierten kleineren Wiener Auktionshäuser wie Zacke und Nauert. Zweimal jährlich wird das Dorotheum wieder Asiatica anbieten. Die erste Auktion ist für 13. Oktober angesetzt. Der Katalog mit 400 bis 500 Losen aus China, Japan, Indien, Südostasien bis Vorderasien ist gerade im Entstehen. Die Schätzpreise reichen von 100 bis über 20.000 Euro.

Als neue Expertin konnte das Dorotheum Jorinde Ebert gewinnen. "Asiatica sind immer eine wichtige Sparte im Dorotheum gewesen. Als das Haus neu übernommen wurde, hat man sich wieder darauf besonnen", erklärt sich die 1943 in Hamburg geborene Wissenschaftlerin, die als Dozentin für außereuropäische Kunstgeschichte an der Universität Wien lehrt, die Wiederbelebung.

Sammler und Sammlungen für asiatische Kunst gebe es in Österreich zahlreiche. Fürstenhäuser wie Liechtenstein nennt Ebert als Beispiel - "aber es gibt auch ganz normale Menschen, die als Hobby sammeln - Holzschnitte sind ein sehr beliebtes Sammelthema, oder die kleinen geschnitzten Figürchen. In Wien ist dieses Sammler-Interesse besonders ausgeprägt." Immerhin, wird diese Tradition hier seit dem 18. Jahrhundert gepflegt, so die Expertin. "Nur um ein Highlight zu nennen: Maria-Theresia hat ihr Opern-Porzellan japanischem Imari-Porzellan nachempfinden lassen."

Das Interesse der Einbringer für die Auktion sei sehr groß, sagt Ebert. Einen Boom will sie aber nicht konstatieren: "Es gab schon immer ein Faible für Asien und es gibt natürlich von der Mode beeinflusste Wellen. In der Kleidung ist das etwa ablesbar: Dieses Jahr steht klar China im Zentrum, mit den hochgeschlossenen Kragen und Blumen. Vor ein paar Jahren war es noch Japan mit der Ästhetik des sehr Niedrigen, Reispapier-Wände, Sushi."

Inmitten der Asiatica-Sammlung ihrer Vorfahren aufgewachsen, war Eberts Weg früh vorgezeichnet: "Ich bin groß geworden im Museum für ostasiatische Kunst in Köln - ich bin eine sogenannte Goepper-Schülerin (Anm. Roger Goepper war angesehener Direktor des Kölner Museums)." Ihr Wissen und ihre lange Erfahrung seien es auch, die sie als Art "Garantie" für die im Dorotheum angebotene Ware einbringe. "Ich werde hier oft gemahnt, Frau Ebert, das ist ein Wirtschaftsunternehmen, keine Universität oder ein Museum. Aber ich kann nicht aus meiner Haut heraus." Auch auf die physikalischen Methoden der Altersbestimmung kann im Zweifelsfall zurückgegriffen werden. "Diese teuren Untersuchungen zahlen sich aber nur bei wirklich alten Objekten, so 2. Jahrhundert vor Christus, aus".

Eine gewisse Skepsis gegenüber der Sparte asiatischer Kunst scheint sich im Dorotheum allerdings gehalten zu haben. Für ihre Expertisen muss Ebert persönlich mit ihrem Vermögen haften.

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