Der Direktor der Liechtensteinschen Sammlungen kauft um Millionen Euro am Kunstmarkt ein.
Johann Kräftner über seine Ankaufspolitik
Ein Aquarell von Rudolf von Alt hat Johann Kräftner am Dienstag gerade erworben. Einige andere Käufe, um "Sachen, die in die Restitution gegangen sind für Österreich zu halten", sind schon fast "über die Bühne", erzählt der Direktor der Liechtensteinischen Sammlung so nebenbei. Am 28. März 2004 wird das Museum im neunten Bezirk eröffnet. 300.000 Besucher, "vor allem junge", will der Architekt hier jährlich für Barock begeistern, den Schwerpunkt der fürstlichen Privatsammlung mit den Höhepunkten Rubens, van Dyck. Dabei zählt er auch auf den die Menschen faszinierenden "Thrill einer heute noch regierenden Adelsfamilie".
Einen Thrill muss auch der Kunstmarkt empfunden haben, als Johann Kräftner mit seinem Antritt als Direktor im Mai 2002 intensiv zu kaufen begann. "Wir versuchen am Weltmarkt das zu kriegen, was uns Spaß macht und die Sammlung ergänzt." Wie groß der Bestand an Grafik, Aquarellen, Skulpturen, Möbeln etc. insgesamt ist, kann Kräftner nicht einmal beziffern - "Gemälde haben wir etwa 1500, 2000". Ebenso wenig beziffern will er sein Ankaufsbudget. "Es wurde kein fixes festgelegt. Wir richten uns nach dem Markt." Der Spielraum aber bewege sich um die 15 Millionen Euro.
Spektakulärster Ankauf war wohl das vom Kunsthistorischen Museum an die Familie Rothschild restituierte Porträt eines unbekannten Herren von Frans Hals, das Kräftner im Jänner bei Sotheby's ersteigern konnte. In Juni folgte dann das Porträt "In Träumen versunken" von Friedrich Amerling. Zwei, drei Tage pro Woche ist Johann Kräftner in Sachen Ankäufe unterwegs. Als er unlängst in Italien Zitronenbäumchen aussuchte, die vor dem Palais stehen sollen, entdeckte er in einem kleinen Privatmuseum nahe Bergamo die als verschollen gegoltenen Skizzen der Rottmayr-Fresken im Wiener Palais Liechtenstein. Ein Glücksfall.
Über 1000 Objekte hat Kräftner in den vergangenen beiden Jahren angeschaut, das Beste gekauft. Der Kunsthandel jedenfalls ist mobilisiert - "und auch viele aus dem Dunstkreis, wo noch die letzten Scharlatane auftreten". Was fehlt noch, was wünscht sich Kräftner? "Wir haben eine Sammlung internationaler Malerei und wir haben sehr gute österreichische Malerei. Mein Ehrgeiz ist es, diese beiden Bereiche so zueinander zu bringen, dass sich daraus Relationen ergeben. Im 19. Jahrhundert etwa sind wir unglaublich stark, was uns fehlt sind die großen französischen Porträtmaler." Einen Waldmüller mit einem David konfrontieren zu können, wäre einer der Träume - "Und ein Waldmüller kostet heute am Kunstmarkt noch immer nichts, weil er international einfach nicht bekannt ist."
Umgekehrt verhält es sich im Bestand der Malerei des späten 18. Jahrhunderts: "Da haben wir die internationale Malerei, aber nicht die österreichische - keinen guten Maulpertsch, keinen guten Troger. Es ist fast schwieriger diese in Topqualität zu bekommen, als einen internationalen, weil es die am Markt nicht gibt."
Eine zeitliche Obergrenze für Ankäufe ist mit 1850, 1860 angesetzt. "Was sollte ich denn Jüngeres kaufen? Gegenwartskunst, Impressionisten, Jugendstil? Man würde nur mehr dritte Qualität bekommen. Das andere hängt schon in den Museen."
Aus der eigenen Sammlung hat Kräftner die Möglichkeit zweitrangige Ware zu verkaufen: "Im Frühjahr gab es eine Auktion, wo wir uns von einigem getrennt haben."
Expansionspläne hegt Kräftner schon vor der Eröffnung des Museums im neunten Bezirk: "Wir würden gerne auch im Stadtpalais der Liechtensteins in der Bankgasse ein Museum für Klassizismus und Biedermeier aufmachen." Eine Bauaufnahme und ein Masterplan werden gerade erstellt.